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Nachhaltigkeit in der Wertschöpfungskette

Die Brancheninitiative CPI2 hat eine einzigartige Online​plattform entwickelt. Sie stellt asiatischen Herstellern von Textilien und Schuhen gebündeltes Know-how zur Verfügung, mit dem sie ihre Produktions­prozesse ­selbstverantwortlich ökologisch verbessern können.
Text: Ralf Kalscheur

Umweltbelastungen durch die Produktion von Mode und Schuhen geraten zunehmend in den öffentlichen Fokus, wie unter anderem das durch Bundesminister Gerd Müller initiierte „Textilbündnis“ zeigt. Im Fokus stehen die Verschmutzung lokaler Böden und Gewässer durch den Einsatz von Chemikalien, der Verbrauch von Wasser und die ineffiziente Nutzung von Energie, die unnötige CO2-Emissionen verursacht. Viele Marken- und Handelsunternehmen gehen diese Probleme in ihrer Wertschöpfungskette inzwischen aktiv an – die im Jahr 2011 auf Anregung der Otto Group formierte Brancheninitiative „Carbon Performance Improvement Initiative“ (CPI2) beschreitet einen neuen Weg.

Sie bündelt nicht nur die Ressourcen von inzwischen 18 Unternehmen, sondern sie hat auch eine einzigartige Onlineplattform entwickelt. Diese Plattform bietet den Usern das gesamte Know-how, das sie benötigen, um Produktionsprozesse energieeffizienter zu gestalten, sparsamer mit Wasser umzugehen und den Chemikalieneinsatz besser zu managen. Mittels eines vorgeschalteten Self-Assessments filtert die Plattform aus über 400 Verbesserungsvorschlägen die Maßnahmen, die für das jeweilige Unternehmen relevant sind. Der Clou dabei: Sämtliche Inhalte sind in insgesamt sechs Sprachen übersetzt, um Anwendern beispielsweise in China die Arbeit mit der Plattform zu erleichtern. Mehr als 1 000 Produzenten aus 25 Ländern profitieren bereits von CPI2.

„Der Kerngedanke unserer Initiative ist, die Verantwortung für die ökologische Verbesserung der Produktionsbedingungen auch auf die Lieferanten zu übertragen, sie also zu aktiv Beteiligten zu machen“, erklärt Andreas Streubig, Bereichsleiter Nachhaltigkeitsmanagement der Otto Group und Geschäftsführer der CPI2 GmbH. „Darum haben wir uns für eine Onlineplattform entschieden, die der Hersteller selbsttätig nutzen kann, um das dort zusammengeführte Know-how abzuschöpfen und sich mit anderen Produzenten auszutauschen.“ Im Unterschied zu den etwa im Sozialbereich häufig anzutreffenden Überwachungssystemen geht es bei diesem Ansatz nicht um Audits oder Monitoringprozesse zur Kontrolle der Einhaltung vereinbarter Verhaltensvorgaben. Streubig: „Mit der Wissensplattform CPI2 eröffnen wir Unternehmen und ihren Zulieferern die Möglichkeit, sich aktiv am Umweltschutz zu beteiligen.“

Wissenstransfer: Die Plattform hilft Fabriken, etwa in Bangladesch, bei der Effizienzsteigerung. © eflstudioart/ Fotolia; Presse

Wissenstransfer: Die Plattform hilft Fabriken, etwa in Bangladesch, bei der Effizienzsteigerung. © Presse

Anwendungsbeispiel aus Bangladesch

Das offene Angebot zum Einloggen kommt bei den Herstellern an. „Wir haben den Webtool-Baukasten deshalb seit Gründung der Initiative über das ursprüngliche Energiethema – auf das der Titel der Initiative hinweist – hinaus weiterentwickelt und stellen seit zwei Jahren auch Module für die umweltrelevanten Bereiche Wasser und Chemikalieneinsatz zur Verfügung“, erläutert Christian Dietrich, Direktor der auf Nachhaltigkeitsthemen spezialisierten Unternehmensberatung Systain Consulting. Die Experten der Otto-Tochter haben die drei Themenbereiche inhaltlich entwickelt und begleiten die Initiative seit ihrer Gründung.

Der Schwerpunkt des Angebots richtet sich an die Textil- und Schuhindustrie in den relevanten Beschaffungsmärkten, darunter vor allem China sowie Bangladesch, Indien oder die Türkei. Dietrich: „Die meisten der Maßnahmen sind aber auch auf andere Branchen übertragbar.“

Eine registrierte Textilfärberei in Gazipur, Bangladesch, zum Beispiel hatte offenbar keine Verständnisschwierigkeiten. 3 000 Beschäftigte produzieren dort täglich 15 Tonnen gefärbten Stoff. Nach der Bestandsaufnahme mit dem CPI2-Tool und der anschließenden Umsetzung von 13 empfohlenen Verbesserungsmaßnahmen kann die Fabrik fortan ihre jährliche Energierechnung um 38.000 Euro vermindern. Das Investment etwa für die Installation eines Wärmerückgewinnungssystems für die Trocknungsanlage, eine optimierte Wartung der Dampfkessel, bessere Isolierungen und Energiesparlampen betrug laut CPI2-Daten insgesamt 60.000 Euro. Nach 18 Monaten habe sich der Aufwand für die Färber bereits amortisiert. Payback für die Klimabilanz: 370 Tonnen CO2 pro Jahr werden künftig eingespart.

Die Debatte um die Nachhaltigkeit in der Textilindustrie wird in den letzten Jahren intensiv geführt. Um Missstände in der weltweiten Textilproduktion zu bekämpfen und die sozialen, ökonomischen und ökologischen Bedingungen entlang der Wertschöpfungskette Schritt für Schritt zu verbessern, engagiert sich auch der Handelsverband Deutschland (HDE) im Bündnis für nachhaltige Textilien. Zahlreiche Initiativen, die die Ziele von CPI2 teilen, erfahren verstärktes Interesse von den Unternehmen. „Die Bündelung von Kräften sowie ein engagiertes Miteinander, darauf kommt es bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen an“, betont CPI2-Chef Streubig und appelliert: „Es ist an der Zeit, reaktive Haltungen aufzugeben und der Frage nach dem verantwortungsbewussten Handeln offen zu begegnen und sie positiv zu beantworten. Das tut auch nicht weh.“ Die Initiative wirbt aktiv um Teilnahme weiterer Mode- und Schuhhandelsunternehmen.

Weitere Informationen finden Sie unter: cpi2.org

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