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Smart Selling

© J. Grothus/Rose Bikes

Innovative Konzepte und Lösungen für den Point of Sale machen den Einkauf im stationären Ladengeschäft zum Erlebnis. Aktuelle Systeme im Überblick.  Text: Elke von Rekowski

Wie lassen sich Kunden im stationären Handel umfassender betreuen? Zum Beispiel durch eine neue Multi-Channel-Lösung von Epson und E-Matters, die als Bindeglied zwischen stationärem Geschäft und Onlinehandel dienen soll. Bei der Lösung kommen Tablets und mobile Bondrucker sowie eine spezielle Software zum Einsatz. Händler können ihre Kunden mithilfe des Systems genau dort auf der Verkaufsfläche beraten, wo sie sich gerade befinden. Das erspart Interessenten die mitunter als lästig empfundene Suche von Produkten im Laden und versetzt Verkäufer in die Lage, Kundenwünsche direkt zu erkennen und zu erfüllen. Denn mit der Lösung lassen sich Waren aus dem Ladengeschäft ebenso anbieten wie Produkte aus dem eigenen Onlineshop, falls das Gewünschte gerade nicht in der Filiale vorhanden ist. Auch das Anstehen an der Kasse wird überflüssig, da der Kunde direkt beim Verkäufer bezahlen kann.

Probewohnen im Kraftwerk
Wie eine gelungene Verknüpfung aus stationärem und Onlinehandel funktioniert, zeigt das Beispiel des Möbelunternehmens Kare Design. Dessen Flagship-Store wurde beim Wettbewerb Store of the Year 2015 des HDE mit dem ersten Platz in der Kategorie Living ausgezeichnet. Immer sonntags können die Kunden in dem Geschäft Kare Kraftwerk kurzzeitig „probewohnen“ und dort in aller Ruhe durch die Ausstellung schlendern. Anders als in vielen anderen Ladengeschäften muss sich bei Kare jedoch niemand ausschließlich aufs Stöbern beschränken. Jedes Produkt ist mit einem QR-Code ausgestattet, der Interessenten im Flagship-Store auch am Sonntag direkt zu der jeweils entsprechenden Seite im Onlineshop führt. Dort lassen sich die Waren dann bequem per Mausklick ordern.

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Läuft rund: Im ausgezeichneten Münchner Konzeptstore von Rose Bikes können sich Kundenwünsche individuell entfalten. © Rose Bikes

Einen besonderen Erlebniseinkauf bietet der Hersteller Rose Bikes den Besuchern seines Konzeptstores in München. Sie werden dort selbst zu Designern und kreieren ihr eigenes Rad. Via Tablet kann jeder Nutzer sein Traumbike so zusammenstellen, dass es ideal auf Einsatzbereich, Ergonomie, Budget und technische Vorlieben zugeschnitten ist. Die Entstehung des Wunschrads lässt sich dann auf einem großen Bildschirm im Concept Store live mitverfolgen.

Das Konzept kommt nicht nur bei Kunden gut an: Nachdem der Einzelhandelsverband Deutschland den Store bereits ausgezeichnet hatte, wurde er auch für den World Retail Award nominiert.

Passgenau shoppen ohne Anprobe
Kleidung anprobieren? Für viele Kunden ist diese Prozedur in häufig zu engen Umkleidekabinen ein Graus. Das gilt vor allem dann, wenn die ausgewählten Stücke nicht passen. Eine High-Tech-Umkleidekabine könnte hier Abhilfe schaffen: Mit einem 3-D-Scanner lässt sich der Kunde vermessen. Auf Basis dieser Daten und der jeweils gewünschten Stilvorgaben gibt es dann vom Händler eine Auswahl an Kleidungsvorschlägen, aus denen der Interessent einfach das Passende aussuchen kann.

3-D-Scanner hat unter anderem das Unternehmen Vitronic mit dem Vitus-Bodyscan im Sortiment. Der auf Lasertriangulation basierende Scanner erstellt hochauflösende 3-D-Daten mit Farbtexturen. In wenigen Sekunden können die Scanergebnisse am Bildschirm betrachtet werden. Weniger Stress beim Einkaufen verspricht auch ein anderes Produkt des Herstellers: ein Fußscanner, der die Füße von Kindern exakt vermisst. Die Messdaten werden dabei lückenlos in das Empfehlungssystem SafeSize integriert, das auf medizinischen und orthopädischen Richtlinien basiert. Darüber hinaus lässt sich sogar das weitere Wachstum des Kinderfußes prognostizieren. So wissen Kunden, wann der nächste Schuhkauf für ihre Sprösslinge ansteht, und können sich vom Händler auch daran erinnern lassen.

Feedback von Freunden
Von der IT-Organisation der Adidas-Gruppe wurde in Kooperation mit dem Lehrstuhl Wirtschaftsinformatik im Dienstleistungsbereich der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg eine interaktive Umkleidekabine mit dem Namen Cyberfit entwickelt. Das System arbeitet auf Basis innovativer Technologien wie RFID-Sensoren, berührungsempfindlicher Oberflächen und der Verschmelzung der realen Welt mit einer virtuellen Umgebung.

Neben der Unterstützung des Kunden durch detaillierte Produktinformationen beim Anprobieren sowie beim Auswählen bietet das System auch die Möglichkeit der Anbindung an unabhängige Empfehlungssysteme. Die Verbindung zu sozialen Netzwerken ermöglicht es, Freunde am Einkauf teilhaben zu lassen und selbst ein Feedback zu Produkten abzugeben. Der von der AdidasGruppe und der Universität Erlangen-Nürnberg entwickelte BodyKinectizer erstellt 3-D-Ganzkörper-Scans auf Basis von Tiefenkameras.

Der Scanner ermöglicht die Aufnahme eines exakten 3-D-Modells des menschlichen Körpers in wenigen Sekunden. Die vollautomatische Körpervermessung bietet vielfältige Einsatzmöglichkeiten, beispielsweise in der Sportartikelindustrie, in der Modebranche oder im Gesundheitswesen. Ein weiteres Verfahren ermöglicht es, die erstellten Körpermodelle mit „digitaler Kleidung“ anzuziehen oder sie in Echtzeit zu animieren.

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„The Inspiration Store“: Metro Group, Ebay und Paypal experimentierten mit neuen Shoppingideen. Der Handel sucht das Einkaufserlebnis. © The Inspiration Store

Wie ein zukunftsorientiertes Einkaufserlebnis aussieht, darüber haben sich auch die Metro Group, Ebay und Paypal im Rahmen ihres Projektes „The Inspiration Store“ Gedanken gemacht – und auf der Basis dieser Ideen ein Ladengeschäft gestaltet. Dort konnten die Kunden in einem zweiwöchentlich wechselnden Produktsortiment verschiedener Händler stöbern. Maßgeblich für die wechselnde Sortimentsgestaltung war ein saisonaler Kalender, der sich an bestimmten Leitthemen, wie „Schönes Zuhause“, „Geschenkideen zur Weihnachtszeit“ oder „Pflege und Wellness“, orientierte. Der Besucher konnte die Produkte wahlweise direkt im Geschäft, über digitale Displays im und vor dem Geschäft sowie online via Computer, Smartphone oder Tablet bestellen. Auch beim Bezahlen und bei der Lieferung hatten die Kunden die freie Auswahl. So konnten Einkäufe nicht nur mit konventionellen Bezahlmöglichkeiten, sondern auch mobil via Paypal bezahlt werden. Die Ware wurde entweder nach Hause geliefert oder konnte vor Ort im Geschäft abgeholt werden.

Das befristete Experiment in Bremen stieß auf großes Interesse und gab wichtige Denkanstöße. In Köln forschen Hersteller, Handel und Wissenschaftler derweil im „Innovation Store“ nach smarten Lösungen für den Point of Sale. Es gilt herauszufinden, wie das Einkaufserlebnis gestaltet sein muss, damit es auch in Zukunft Kunden begeistert.

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