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„Die Glaubwürdigkeit hat gelitten“

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Die Fashionbranche stellt sich die Frage nach der „Zukunft der Mode“. Google liefert dafür elf Millionen Ergebnisse. Siegfried ­Jacobs, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands des deutschen Textileinzelhandels (BTE), hat konkrete Antworten.
Interview: Ralf Kalscheur

Die Kundenfrequenz im Modehandel geht seit Jahren zurück, gleichzeitig wird die Auswahl an Apps und digitalen Services zur Kundenbindung und -gewinnung immer größer. Wie wählen stationäre Händler die Hilfsmittel aus, die zu ihrem Geschäft passen?
Das ist oftmals ein längerer Prüf- und Entscheidungsprozess. Denn die Erfahrungen zeigen, dass nicht alles Sinn macht, was technisch möglich ist. Eine Reihe stationärer Handelsunternehmen unserer Branche hat sich für einen eigenen Webshop entschieden. Meist sind dies Bekleidungsfilialisten oder größere Modehäuser. Viele mittelgroße Häuser, für die ein Webshop zu aufwendig ist und die nicht als zugkräftige Dachmarke mit überregionaler Bedeutung auftreten können, agieren schon lange über Marktplätze wie Amazon oder eBay. Der nächste Schritt wird sein, den Warenbestand über Standardschnittstellen der Warenwirtschaftsdienstleister ins Netz zu bringen. Der Schuheinzelhandel ist mit schuhe.de schon relativ weit. Für die Sortimente Bekleidung und Schuhe arbeiten BTE und BDSE derzeit an einem automatisierten Datentransfer von der Industrie zum Handel speziell für Bilddaten und Marketing-Content. Denn der Fashionhandel ist dringend auf diese Daten angewiesen, will er schnell und zugleich effizient im Internet mit seinem Sortiment präsent sein.

Der riesige Online-Fashionmarkt wird auch für Konsumenten immer unübersichtlicher. Davon profitieren zahlreiche Preisvergleichsportale und neue E-Commerce-Businessmodelle wie die Mode-Metasuchmaschine Stylelounge oder der Mode-­Aggregator Stylight. Wie schätzen Sie diese Start-ups ein?
Das sind interessante Geschäftsmodelle, wie sie das Internet vielfach generiert. Fashion-spezifische Portale haben den Vorteil, dass sie stärker emotional und Lifestyle-orientiert auftreten als die meisten herkömmlichen, branchenübergreifend agierenden Marktplätze. Allerdings hat der Modehandel so seine Probleme mit Preissuchmaschinen. Der Wettbewerb ist aus seiner Sicht ohnehin zu sehr preis- und zu wenig qualitätsorientiert getrieben. Die Glaubwürdigkeit der Branche hat durch die frühen und massiven Preisreduzierungen der vergangenen Saisons stark gelitten. Die Renditen übrigens auch.

Wie können insbesondere kleinere Fashionhändler ihr Angebot online ins Sichtfeld rücken?
Zum Beispiel über die diversen Online-Marktplätze mit ihren Fulfillment-Leistungen. Darüber hinaus können Fachgeschäfte zeitlich befristet und sehr selektiv Online-Angebote über ihre eigene Website offerieren, zum Beispiel das „Outfit der Woche“. Hier kann man stilistische Kompetenz zeigen, und versandtechnisch lässt sich dies noch gut managen. Aber wir haben auch viele Beispiele aus dem mittelständischen Fashionhandel, die erfolgreich den Weg in den Onlinevertrieb gegangen sind – oftmals dann mit einem spezialisierten Nischenangebot.

Welche digitalen Geschäftsmodelle und innovativen Entwicklungen sind aus der Sicht des Fashionhandels in Zukunft besonders interessant?
Click & Collect- oder Click & Reserve-Angebote werden von den Konsumenten schon heute gerne wahrgenommen und daher momentan im Modehandel verstärkt eingeführt. Sie verbinden die beiden Welten Offline und Online unmittelbar und generieren meist Zusatzumsätze, da der Onlinekunde stationär weiter betreut und beraten werden kann. Im Bereich der Kundenbindung eröffnen sich darüber hinaus neue Möglichkeiten über innovative Apps, die mittelfristig sicher viele Plastikkundenkarten ablösen werden. Last, but not least arbeitet die Textil- und Schuhbranche derzeit intensiv an der digitalen Regalverlängerung.

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