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Living like Schweiger: Sein Start-up „Barefoot Living“

Foto: Per Zennström/barefoot living

Im Onlineshop Barefoot Living können sich Fans der Filme von Til Schweiger einrichten wie die Protagonisten auf der Leinwand. Das Start-up des geschäftstüchtigen Schauspielers ist Teil eines verzweigten Familienunternehmens.

Keinohrhasen, Zweiohrküken, Kokowääh: Wenn es um das Genre des Feel-good-Movies geht, ist im deutschsprachigen Raum seit Jahren niemand erfolgreicher als Til Schweiger. Vernichtende Filmkritiken? Sind Millionen Fans, die verlässlich Kinokarten für die Gagatitel lösen, offenbar herzlich egal. Das Leinwandpersonal der Schwänke agiert in großzügig geschnittenen Wohnarrangements, in denen Holzmöbel, Cremetöne und Textilien naturbelassener Anmutung warmweiß beleuchtete Gemütlichkeit erzeugen. Keine Flasche steht in der Kulisse herum, ohne eine sorgsam bedachte Dekofunktion zu erfüllen. Wenn der Vorhang fällt und alles noch mal gut ausgegangen ist, verlassen nicht wenige Zuschauer den Saal angefüllt mit „Honig im Kopf “ und neuen Einrichtungswünschen.

Das hoffen zumindest die Betreiber des Onlineshops Barefoot Living, den der umtriebige Unternehmer Til Schweiger gegründet hat, um „Wohlfühlprodukte aus meinem Leben und meinen Filmen“ zu verkaufen. „Til hat ein extrem gutes Gespür dafür, wie seine Kunden denken“, sagt Marcel Graf, der das Geschäft leitet. Wir sitzen in einem Hinterhaus im Berliner Winsviertel an einem Holztisch. Auf drei Etagen arbeiten 14 Mitarbeiter an der Etablierung des hoch personalisierten Nischenangebots im umkämpften Livingsegment.

Den Tisch hat Schweigers jüngerer Bruder Nik entworfen. Der renommierte Innenarchitekt und Designer ist der Vater von Marcel Graf. Die Schweiger-Brüder betreiben zusammen die Firma Barefoot Design, deren Geschäfte ebenfalls von Marcel Graf geleitet werden. Darüber hinaus betreut der 30-Jährige die Unternehmensbeteiligungen seines berühmten Onkels, darunter die Anteile an Barefood Deli und Barefoot Hotel.

Diese beiden stationären Projekte sollen als Show-Cases und Onlineshops für das virtuelle Livingangebot entwickelt werden. Gäste, die sich von Til Schweigers „Lebensgefühl“ inspirieren lassen, können dort dann gleich vor Ort Requisiten für die heimische Inszenierung bestellen. Im Herbst dieses Jahres ist die Eröffnung des ersten Barefood-Restaurants in der Hamburger Innenstadt geplant. Zum Frühjahr 2017 ist die Eröffnung des Barefoot Hotels Timmendorfer Strand angekündigt. Und dann gibt es noch Barefoot Films, Barefoot Productions, Barefoot License und Mister Brown Entertainment, Til Schweigers erste Produktionsfirma.

Vom Set in den Shop

Das Familienbusiness ist auf vielfältige Weise miteinander verknüpft. „Wir stehen im engen Austausch mit Barefoot Films bezüglich des Setdesigns“, sagt Graf, der vor neun Jahren als Praktikant die ersten Karriereschritte in Schweigers Markenimperium absolvierte. „Das heißt, wir fragen uns, wie zum Beispiel Barefoot-Living-Produkte in die Filme integriert werden können, um die Lebenswelt rund um Til passend darzustellen“, erklärt Schweigers Neffe. Was der Zuschauer im Film gesehen hat, soll er auch im Onlineshop finden, so das Geschäftsmodell.

650 Produkte umfasst das kleine, doch breit gefächerte Angebot, das vom Allzweckmesser bis zur Zirbenseife reicht. Auch Wein, laut Eigenauskunft von Til Schweiger selbst entwickelt und benannt nach seiner Tochter Emma, findet sich in dem Wohlfühlwarenkorb.

Von Til Schweiger allein finanziert, sei Barefoot Living 2016 um mehr als 100 Prozent gewachsen, berichtet Graf: „Der Webshop war zunächst Tils Hobby, er hat ihn 2014 im Zuge der Neueinrichtung seines Hauses auf Mallorca gegründet. Til wurde stets gefragt, wo man die Möbel und auch die Kaschmirpullover aus seinen Filmen kaufen kann, und so hat sich die Idee mehr und mehr entwickelt.“ Der kolportierte Umsatz des Unternehmens liegt derzeit erst bei rund zwei Millionen Euro. Gelingen soll die Wachstumsstrategie mithilfe stationärer Partner. „Wir haben schon Dutzende Anfragen von Händlern für unser Angebot, denn Til bringt natürlich eine besondere Publicity mit sich“, sagt Graf.

Mittelfristig müsste sich Barefoot Living aber wohl von der Strahlkraft des Filmstars lösen, um als unabhängige Lifestylemarke mit Wiedererkennungswert identifizierbar zu werden. Til Schweiger ist 52 Jahre alt. Die Zielgruppe, die sich von seinen Filmwelten zum Einkaufen inspirieren lässt, besteht mehrheitlich aus Frauen zwischen 25 und 49 Jahren. Bestseller bei Barefoot Living sind besagte Kaschmirpullover, die mit dem Erscheinungsbild Schweigers so eng verknüpft sind wie die Hochsteckfrisur mit Sahra Wagenknecht. Wenn das Sexsymbol mit der Quäkstimme in der selbst entworfenen Strickware irgendwann nicht mehr ganz so lässig aussieht, soll vor allem ein größeres Sortiment Kunden gewinnen.

Der Barefoot-Living-Lifestyle ist überaus mehrheitsfähig. Skandinavisch-klares Design in gedeckten Farben wird durch mediterrane Dekoakzente heimelig gestaltet. Das Sortiment ist eher hochwertig, bedient im zeitgemäßen Look-and-feel Nachhaltigkeitsansprüche und besteht zur Hälfte aus Eigenmarken. Das senkt den Preisdruck in der Nische und schafft Alleinstellungsmerkmale. Gleichwohl hängt der Erfolg des Schweiger-Shops am Ende auch von den Storys ab, die seine Barefoot-Traumfabrik hinter den Kulissen produziert.

„Til erzeugt mit seinen Filmen eine Atmosphäre und erzählt Geschichten, so wie Barefoot Living mit den Produkten“, sagt Marcel Graf. Der Bräter Oval Le Creuset (289 Euro) dürfte in diesem Sinne insbesondere die Genießer von Coq au Vin (Kokowääh) ansprechen.

 

Til Schweiger © Per Zennström für barefoot living

Til Schweiger © Per Zennström für barefoot living

 

Das Gefühl von „Honig im Kopf“ –
Til Schweiger im Interview

Til Schweigers Leinwandkarriere kam vor 25 Jahren mit der Komödie „Manta, Manta“ in Fahrt. Auch als Regisseur und Filmproduzent trifft der 52-Jährige den Geschmack von Millionen Fans. Im Interview erzählt der Unternehmer, wie der Onlineshop Barefoot Living seine Kinokulissen in deutsche Wohnzimmer bringt.

In der Nische und dank Ihrer Bekanntheit kann sich der Onlineshop Barefoot Living ein Stück weit dem Preisdruck entziehen. Dennoch ist das begriffich weit gefasste Livingsegment hart umkämpft. Mittelgroße Player aus Europa und Riesen wie Wayfair aus den USA drängen auf den deutschen Markt. Warum wagen Sie sich mit Barefoot Living ins Haifischbecken?
Ob bei meinen Filmen oder beim Einrichten meiner eigenen vier Wände: Ich habe schon immer einen großen Wert auf Design und diese gewisse Stimmung gelegt. Die Nachfrage von Zuschauern und Fans nach Produkten in den Filmen wuchs von Jahr zu Jahr, sodass sich die Idee zu Barefoot Living entwickelt hat. Im September 2014 dachte ich mir dann schlussendlich: „Jetzt ist Barefoot Living geboren.“ Und wie Sie schon richtig beschrieben haben, bedienen wir mit unseren USPs auf diesem großen Markt eine Nische, was, unternehmerisch gesehen, unser Erfolgsrezept ist.

Barefoot Living verkauft ein „Lebensgefühl“ – Ihres. Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?
Bei dem Lebensgefühl von Barefoot Living und auch bei meinem geht es um Leben, Lachen, Wohlfühlen und Relaxen. Meinen Stil beschreibe ich als eine Mischung aus East Coast, Skandinavien und Mallorca – und genauso sieht es bei mir zu Hause aus: Alles ist aus natürlichen Materialien produziert und in schlichtem Design und Erdtönen gehalten.

Was ist Ihre Vision für Barefoot Living? Wo wollen Sie damit hin?
In den vergangenen Monaten ist aus dem Hobby Barefoot Living ein wachsendes Unternehmen geworden. Ständig sind mein Team und ich auf der Suche nach neuen Produkten. Inzwischen ist es so, dass ich zum Beispiel im Restaurant sitze, mir das Geschirr gefällt und ich am nächsten Tag schon mit dem Hersteller telefoniere, weil ich das Geschirr unbedingt mit in unser Portfolio aufnehmen möchte. Zwei Wochen später steht es dann online und ist für jeden verfügbar. So soll es auch weitergehen. Auf diese Weise haben wir schon viele neue spannende Projekte, wie zum Beispiel das Barefood Deli in Hamburg oder das Barefoot Hotel am Timmendorfer Strand, geplant.

Wie viel Zeit investieren Sie angesichts Ihrer zahlreichen Verpflichtungen in die Etablierung des Onlineshops und in den Auau eines stationären Angebots?
Seit der Gründung von Barefoot Living bin ich an jedem Designprozess und an jeder Produktauswahl beteiligt. Alle Produkte im Shop entsprechen absolut meinem Stil. So ist es auch beim Barefood Deli und beim Barefoot Hotel. Weil mir Perfektion wichtig ist, bin ich mindestens einmal im Monat in Berlin und auf der Deli-Baustelle in Hamburg vor Ort. Zwischendurch tausche ich mich mit meinem Team täglich per Telefon und E-Mail aus. Ich nehme also an allen Prozessen aktiv teil.

Sie sind Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor, Produzent und Unternehmer. Wenn Sie in einem Formular nach Ihrem Beruf gefragt werden – was schreiben Sie in die Lücke?
Einfach nur Til Schweiger. (Lacht.)

Ihr jüngerer Bruder Nik Schweiger und Ihr Neffe Marcel Graf sind in mit Ihnen assoziierten Unternehmen involviert, Produkte im Shop sind nach Ihren Töchtern benannt: Was bedeutet es Ihnen, Familienunternehmer zu sein?
Familie und auch Freunde sind mir das Wichtigste im Leben und für mich gibt es nichts Besseres, als mit Menschen zusammenzuarbeiten, denen ich vertraue und die ich liebe. Berufliches und Privates verschmelzen lassen zu können, ist für mich eine Art von Luxus.

Welcher Ihrer Filme überträgt am besten das Look-and-feel, für das Sie mit der Marke Barefoot Living stehen möchten?
Das ist definitiv „Honig im Kopf“. Wenn man den Film kennt, bekommt man schnell einen Eindruck, welchen Einrichtungsstil und welche Farben ich gut finde. Es sind natürliche und zeitlose Farben, die sich einfach kombinieren und beliebig erweitern lassen und die auch vor der Kamera gut in Szene zu setzen sind. Außerdem vermitteln diese Materialien und Töne ein gewisses Wohlfühlgefühl. Für mich ist es schön, wenn ich diese Stimmung weitergeben kann.

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