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Sozialpolitik: Lieber gut arbeiten

apothekerin erklrt einer kundin die packungsbeilage

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Fit oder fertig? Das Demografieprojekt „ZusammenWachsen-ArbeitGestalten“ hat die Sozialpartner an einen Tisch gebracht. Herausgekommen sind konkrete Maßnahmen, die dem Einzelhandel im Umgang mit der alternden Gesellschaft helfen.

Die Qualität der Arbeitsbedingungen wird vor dem Hintergrund der alternden Gesellschaft in Deutschland immer mehr zu einem Wettbewerbsfaktor für Unternehmen – auch im Einzelhandel. Gefragt sind Strategien, die Beschäftigte dazu befähigen, ihre Aufgaben gesund und motiviert bis zum Erreichen des Rentenalters zu meistern.

Im Rahmen des Demografie- und Tarifprojekts „ZusammenWachsen-ArbeitGestalten“ (siehe Kasten) wurden vielerlei praktische Bausteine für das betriebliche Gesundheitsmanagement und die Etablierung von Gesundheitskompetenz in Einzelhandelsunternehmen entwickelt. Die Demografietoolbox bietet Unternehmern mit ausführlichen Arbeitsmaterialien praktische Hilfestellungen, von der ergonomischen Arbeitsgestaltung über die Stressbewältigung bis zur Förderung der psychischen Gesundheit. Eine Demografieanalyse bildet die Grundlage für eine personalpolitische Bestandsaufnahme und die frühzeitige Einleitung zielgerichteter Maßnahmen.

Yasmin Fahimi zog auf der Branchentagung des Projekts in Berlin vor über hundert Teilnehmern eine ausgesprochen positive Bilanz. Die Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales betonte die gesamtgesellschaftliche Bedeutung, auf betrieblicher, politischer und sozialpartnerschaftlicher Ebene verschiedene Akteure an einen Tisch zu bringen und so zu praxisorientierten Lösungen zu gelangen. „Wir haben dieses wichtige Projekt gerne unterstützt und danken dem HDE und Verdi für ihr Engagement“, sagte Fahimi und verband damit den Wunsch, dass andere Branchen diesem „Erfolg für den Einzelhandel“ nacheifern mögen. Das Projekt sei ein „gutes Beispiel für die Sozialpartnerkultur im Lande“ – und dürfte deshalb wohl eine Fortsetzung finden. „Wir werden das in unserem Haus wohlwollend betrachten“, so Fahimi.

Wandel gestalten

Arbeit gestaltet die Zukunft, Tarifverträge gestalten die Arbeit:

Die Sozialpartner entschlossen sich Ende des Jahres 2011, unter dem Namen „ZusammenWachsen-ArbeitGestalten“ das bisher größte Demografieprojekt zur Zukunft der Dienstleistungsbranchen zu gründen. Das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales unter dem Dach der Initiative Neue Qualität der Arbeit geförderte Projekt vereinte erstmals Spitzenvertreter der Tarif- und Betriebspolitik in dem gemeinsamen Bemühen, eine gesundheitsförderliche, alternsgerechte und lebensphasenorientierte Arbeitsgestaltung sowie eine entsprechende Führungskultur zu entwickeln. Der Handelsverband Deutschland und die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi haben im Rahmen des Projekts einen gemeinsamen Beirat für den Einzelhandel ins Leben gerufen. Dieser dient der Konkretisierung der allgemeinen, im Zuge des Projekts entwickelten Empfehlungen für den Einzelhandel. Zusammen mit Arbeitsforschern engagieren sich die Sozial- und Tarifpartner dafür, die Herausforderungen des demografischen Wandels mit betrieblichen Modellen und einer nachhaltigen Tarifpolitik anzunehmen. Mit der Aufnahme von Tarifverhandlungen bei ungekündigten Verträgen betraten die Partner Neuland.

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier.

Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland, hob den „offenen Dialog mit Wissenschaftlern“ im Rahmen des Projekts hervor und wies darauf hin, dass der Krankenstand im Einzelhandel schon seit Jahren unter dem Durchschnitt der Gesamtwirtschaft liege. Die Tarifpartner setzten mit „ZusammenWachsen-ArbeitGestalten“ ein „starkes Signal“ für eine innovative Sozial- und Tarifpolitik. Das „Nachschärfen bestehender gesetzlicher Regelungen“ sah Genth nicht angezeigt und sprach sich dafür aus, dass die Sozial- und Tarifpartner des Einzelhandels in Partnerschaft mit der Berufsgenossenschaft des Handels eine gemeinsame Kampagne starten, um Unternehmen und Arbeitnehmer im Bereich des Arbeits- und Gesundheitsschutzes noch stärker zu sensibilisieren. Dazu gehöre aus Sicht des HDE auch ein Informationsangebot über solche Tools, die den Bedürfnissen des Einzelhandels angepasst sind, sowie ein Schulungsangebot für Führungskräfte.

Mitarbeiter in leitender Funktion dienen in den Unternehmen als Multiplikatoren für die Maßnahmen. Geschulte „ErgoScouts“ etwa vermitteln Ausgleichs- und Entlastungsübungen, abgestimmt auf die verschiedenen Abteilungen. Aus der Praxis berichteten Personalverantwortliche von Rewe und Ikea über ihre guten Testerfahrungen mit dem neuen Instrument – nach anfänglicher Skepsis. „Ich war positiv überrascht. Die Maßnahmen kosten uns fast nichts, werden uns aber viel bringen“, sagte Nico Lehm, Personalleiter Rewe Bayern.

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