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Energiemanagement: Mit System ans Ziel

© E. Merheim

Energieverbraucher gibt es im Einzelhandel viele. Vor allem Beleuchtung, Raumklimatisierung sowie im Lebensmittelhandel zusätzlich die Kühlung schlagen zu Buche. Um den Energieverbrauch dauerhaft zu reduzieren, lohnt deshalb ein übergeordnetes Energiemanagement.

Das Ziel, Energie einzusparen, teilen heute viele kleine und große Unternehmen. Die Entwicklung von Effizienzstrategien ist auch in Zeiten eines niedrigen Ölpreises der richtige Weg, der durch ein breit angelegtes Energiemanagement geebnet werden kann. Denn in den meisten Fällen ist es sinnvoll, nicht einen Aspekt separat zu betrachten, sondern übergreifend zu handeln.

Das bestätigt Benjamin Chini, Projektleiter des Forschungsbereichs Energiemanagement am EHI Retail Institute: „Insbesondere in den Filialunternehmen sind in den vergangenen Jahren immer mehr professionelle Energiemanagementabteilungen entstanden. Denn in den Bereichen Kältetechnik, Beleuchtung und Klimatisierung kann viel Energie und damit Geld eingespart werden.“ Antriebsfeder sind allerdings nach wie vor meist ökonomische und weniger ökologische Aspekte. Damit sich dies ändert, sind ferner die Kunden gefragt, die zwar sensibler für das Thema werden, ihre Kaufentscheidung aber nach wie vor auf Basis anderer Kriterien, wie des Preises, treffen. Mehr geht immer, doch alle, auch kleine, Schritte gehen in die richtige Richtung.

An diesem Punkt setzt das Ziel des EHI-Energiemanagement- Awards (EMA) an, der seit 2008 an Filialunternehmen und selbstständige Einzelhändler vergeben wird. „Ziel dieses Awards ist es“, so Chini, „ganzheitliche Projekte auszuzeichnen, die Vorbildcharakter für die Branche haben und auf andere Händler übertragbar sind.“ Die Bewerbungsphase für den aktuellen Preis endet am 31. August 2016. Interessierte sind aufgerufen, Konzepte einzureichen.

Realisieren, kontrollieren, verbessern

Im Vorjahr erhielt den Preis die Globus SB-Warenhaus Holding für ihre umfassende Energiestrategie. Diese basiert auf den Erfahrungen, die das Unternehmen mit dem Thema Energieeffizienz bereits gemacht hat. Globus hat sie zu einem Gesamtkonzept weiterentwickelt. Im September 2014 eröffnete das Unternehmen in Koblenz den ersten Markt, in dem alle Facetten realisiert wurden.

„Neben einer Fotovoltaikanlage, einem Blockheizkraftwerk und einer transkritischen CO2-Kälteanlage mit optimierter Wärmerückgewinnung nutzen wir geschlossene Kühlmöbel und auf 70 Prozent der Fläche LED-Leuchten. Regenwasser wird für die WC-Spülungen und die Gartenbewässerung wiederverwendet. Die Gebäudeleittechnik ermöglicht es, Prozesse passgenau, automatisiert und somit äußerst effizient zu steuern“, erklärt Guido Koch, der bei Globus für das Energiemanagement zuständig ist, das Konzept.

Damit lassen sich nach seinen Aussagen rund 75 Prozent der CO2-Emissionen einsparen. Mehr als 100 Verbrauchszähler für Strom, Gas, Wärmemengen und Wasser zeichnen in Koblenz alle Werte auf. Diese dienen unter anderem dazu, das System für künftige Märkte weiter zu optimieren.

Kopplungseffekte nutzen

Dass es sehr sinnvoll ist, die Einzelteile ganzheitlich zu betrachten, unterstreicht auch Andreas Schulz, CEO der Licht Kunst Licht AG. „Für die Kühlung der Raumluft verbraucht der Handel sehr viel Energie. Diese lässt sich am einfachsten dadurch reduzieren, dass über die Beleuchtung möglichst wenig Energie ins Gebäude eingebracht wird. Deshalb sollte die Beleuchtung immer Teil des Energiemanagements sein“, so der Professor. Bis vor Kurzem war die Lichtqualität der LED-Beleuchtung noch eine hohe Hürde auf diesem Weg. Doch das ist Vergangenheit, denn diese Art der Beleuchtung steht herkömmlichen Leuchtmitteln mittlerweile in nichts mehr nach – ganz im Gegenteil.

Das zeigt das Beispiel der Edeka-Filiale in Moers, die im vergangenen Jahr komplett auf LED-Technik umgerüstet wurde. „Eine Vorgabe war, den Aufwand so gering wie möglich zu halten. Deshalb haben wir für die neuen LED-Leuchten die Deckenausschnitte der bisherigen Einbauleuchten genutzt“, so Christof Volmer, Geschäftsleitung Marketing bei Bäro, dessen Team dieses Projekt geplant hat.

Obwohl der Gesamtlichtstrom heute niedriger ist als bislang, wirkt die Atmosphäre deutlich freundlicher und die Farben der präsentierten Waren strahlen kräftiger. Das Wichtigste jedoch: Der Stromverbrauch wurde auf fast die Hälfte reduziert, wodurch jedes Jahr mehr als 10.000 Euro allein bei den Energiekosten für die Beleuchtung wegfallen.

Dieses Konzept ist auch deshalb so interessant, weil laut einer Umfrage des EHI knapp 90 Prozent der Handelsfilialen angemietet sind, Investitionen also eher minimiert werden, und es deutlich mehr Bestandsfilialen als Neubauten gibt.

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