Alle Informationen für den Handel

Fokus

Zeit für Veränderung im Ladenbau

Ladenbau Marktübersicht

l.: Das Trüffelsäuli in Wengen in der Schweiz lädt zum Stöbern ein. r.: Inspiriert von Jules Verne kauft man im Némeau in Québec frischen Fisch. © Love Weber; Francois Laliberté

Der Einzelhandel rüstet auf. Was sich in den letzten Jahren schon im Lebensmittelbereich zeigte, setzt sich branchenunabhängig fort: Die Läden sollen attraktiv sein und dem Umbruch in der Handelslandschaft standhalten. Der Blick auf den Markt von Carsten Schemberg, stellvertretender Präsident des dlv – Netzwerk Ladenbau.

Die gute Nachricht zuerst: Wer dieser Tage in einschlägigen Fachmedien blättert und sich die Neueröffnungen des vergangenen Jahres ansieht, ist fast geneigt zu behaupten, das Internet mache die Läden schöner. Es scheint, dass im stationären Einzelhandel das angekündigte Umdenken stattgefunden hat, denn Kundenattraktivität gewinnt im Zusammenspiel mit Onlineshops und der damit einhergehenden Frage nach der Daseinsberechtigung eine ganz neue Qualität.

Und nun kommt auch schon die allseits bekannte schlechte Nachricht: Nicht jeder Laden wird diesem Umdenken standhalten können. Der Umbruch der Handelslandschaft wird tief greifend sein, da sind sich die Experten einig. Und dafür gilt es, gewappnet zu sein.

Mit Argusaugen bewacht die Handelslandschaft, wie in diesen Tagen eben nicht nur Neueröffnungen gefeiert werden, sondern auch Shops schließen. Das Phänomen zieht sich quer durch die Branchen, egal ob es große Marken und Ketten wie das Modelabel Gerry Weber sind, die kürzertreten wollen, der kleine Buchhändler ums Eck, der zwischen Amazon und Filialist nicht mehr bestehen kann, oder der weltgrößte Einzelhändler Walmart, der in den USA 269 Filialen schließen will. Ebenso betroffen, aber wenig erwähnt sind auch Onlineshops, die sich neben den Big Playern Amazon und Ebay eben nicht behaupten können und schließen müssen – so geschehen bei Wormland. „Nur das Original ist sexy“, lautet die Ansage, wenn der kauflustige Kunde den Webshop aufruft. Wormland verweist auf seine stationären Läden, denn nur dort sei das „wahre Theo Wormland-Einkaufserlebnis“ möglich. Und darum geht es im stationären Laden in Zukunft: das Erlebnis.

Plattform der Ideen: Das Store Book 2016

Auf 240 Seiten bietet das Store Book 2016, herausgegeben vom dlv, den Lesern einen Querschnitt durch die verschiedenen Branchen des Handels. Die vorgestellten Projekte werden hinsichtlich ihres Profils und der Architektur- und Gestaltungslösungen porträtiert. In Form einer Infobox (Fact Book) werden die relevanten Daten und Fakten des Projektes jeweils zusammengefasst. Das Resultat ist eine Plattform der Ideen, ein bunter Strauß an Anregungen für Ladenbauer, Architekten, Planer und alle weiteren projektbeteiligten Gewerke. Abgerundet wird die Ladenschau durch eine praktische Adressübersicht.

Das Store Book 2016 ist zum Preis von 89 Euro im Buchhandel erhältlich oder kann über die Homepage des dlv bestellt werden. Für Mitglieder des dlv gibt es Sonderkonditionen.

Auflösung bekannter Arbeitsabläufe

Was genau dieses wahre Erlebnis ausmacht, muss jede Marke, jeder Einzelhändler für seine eigenen Kunden definieren. Fest steht jedoch, dass auch dieses Erlebnis nicht mehr ohne digitale Elemente auskommt. Im Konglomerat der digitalen Fortschritte ist die vorhersehbare und bereits jetzt zu spürende Folge, dass sich erlernte Rituale, traditionelle Geschäftspraktiken und bekannte Arbeitsabläufe auflösen. „Die Digitalisierung fordert die etablierten Handelskonzerne von vielen Seiten heraus“, so David Bosshart vom Trendforschungsinstitut GDI in Zürich.

Betroffen ist nicht nur das Design der Läden oder die Verknüpfung zwischen stationärem Laden und Onlineshop. Der gesamte Wertschöpfungsprozess kommt ohne digitale Elemente nicht mehr aus, und der Handel muss wie jede andere Branche sein gesamtes Tun auf den Prüfstand stellen. Von einer „digitalen Revolution“ spricht daher der renommierte Physiker, Wissenschaftsjournalist und Moderator Ranga Yogeshwar. Er sieht das Zeitalter, in dem wir leben, als eine „epochale Scharnierphase, so wie einst, als das Mittelalter durch die Renaissance abgelöst wurde oder die Moderne das Bürgertum erschütterte“. Dramatische Worte, angesichts derer sich viele Menschen orientierungslos fühlen.

Digitalisierung durchdringt alle Bereiche

Werden wir Gestalter oder Getriebene sein? Wir benötigen neue Kompetenzen, das Wissen um die Stärken und Schwächen dessen, was die Digitalisierung mit sich bringt. In jedem einzelnen Unternehmensbereich ist die Digitalisierung heute nicht mehr wegzudenken, die Veränderung ist bereits im Gange – und daher ist jetzt die Zeit für Veränderung, für eine Entscheidung, ob wir Gestalter oder Getriebene sein werden. Es ist Zeit, uns von alten Sichtweisen auf Neues zu lösen und stattdessen im Neuen zu denken.

Dass diese neue Sichtweise Einzug findet, zeigt die Vielzahl der hochwertigen Neueröffnungen im vergangenen Jahr. Und sie zeigt: Nicht nur der Handel ist gewappnet, auch der Ladenbau hat seine Hausaufgaben bereits gemacht. Die Unternehmen haben in den vergangenen Jahren auf Losgröße eins umgestellt, dadurch individuelle Konzepte zu wirtschaftlichen Preisen ermöglicht. Sie haben sich Kompetenz in neuen Tools und Features angeeignet und sich die entsprechenden Partner gesucht, ihre Produktionen komplett neu durchdacht.

Die Unternehmen sind gerüstet, um auch in Zukunft ansprechende Läden zu bauen. Denn das wahre Einkaufserlebnis, das gibt es bis auf Weiteres nur im stationären Ladengeschäft.

Lesen Sie weiter


Unternehmen

Seminare für Ladenbauer

Zwei Seminare und einen Workshop bietet der dlv – Netzwerk Ladenbau in diesem Herbst an. Die Veranstaltungen befassen sich mit dem Brandschutz bei Wand- und Deckenverkleidungen, Multisensualem Marketing und LED-Beleuchtungen. mehr...

Wir freuen uns über Diskussionen und Ihre Kommentare.
Wie in jeder Gemeinschaft ist es notwendig, dass sich alle Teilnehmer an die Netiquette halten. Durch Ihre Kommentare sollen interessante, gewinnbringende Debatten entstehen, an denen sich andere Nutzer gerne beteiligen. Beleidigungen und Schmähreden sind deshalb ebenso tabu wie Diskriminierungen und die unerlaubte Veröffentlichung persönlicher Daten. Bitte verstecken Sie sich auch nicht hinter Pseudonymen, sondern benutzen Sie Klarnamen.

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>