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Der Einkaufswagen fährt selbst

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© Messe Düsseldorf

Von flexiblen Self-Check-out-Systemen und magischen Schaufenstern: Die Fachmesse für IT-Lösungen im Handel, EuroCIS, präsentierte die neuen Branchentrends.

Das Trendthema Omnichannel steht weiterhin im Fokus. Um wettbewerbsfähig zu bleiben und dem veränderten Informations- und Kaufverhalten der Kunden gerecht zu werden, investieren immer mehr Unternehmen in entsprechende Lösungen. Sie sollen vor allem dafür sorgen, dass der Kundendialog über alle Kanäle hinweg reibungslos funktioniert. Mobile Solutions haben hier einen wichtigen Anteil. Sie unterstützen das Personal auf der Verkaufsfläche, interagieren mit den Smartphones der Kunden oder werden zur Umsetzung von Mobile-Payment genutzt.

Wie das funktioniert, zeigt zum Beispiel Epson zusammen mit e-matters: Das Verkaufspersonal erhält auf dem Tablet alle nötigen Informationen, um Kunden auf der Fläche zu beraten, dort auch direkt zu kassieren und so den Verkauf ohne störende Wartezeiten erfolgreich abzuschließen. Mit dem sogenannten Spark-Aufkleber hat e-matters außerdem eine Lösung im Sortiment, die Amazons Dash-Button ähnelt. Der Kunde kann den in den Aufkleber eingebetteten Code einscannen und so zum Beispiel automatisch ein bestimmtes Produkt nachbestellen. Die Vernetzung von Kühlschrank und Einzelhandel ist damit nur noch einen Fingertipp entfernt.

Interaktiv auf der Fläche und beim Check-Out

Hoch im Kurs standen auf der EuroCIS die Themen Self-Check-out (SCO) und Self-Scanning. Zwar haben sich die Trends hierzulande noch nicht so umfassend durchgesetzt wie in anderen Ländern, doch das soll sich schon bald ändern. Laut einer aktuellen Studie des EHI Retail Institute sieht der überwiegende Anteil der befragten Händler mit SB-Kassen und Self-Scanning in der Installation der SCO-Systeme eine Investition in die Zufriedenheit des Kunden und im ergänzenden Service einen klaren Wettbewerbsvorteil.

Das zeigt sich auch an dem großen Interesse der Branche an den innovativen Systemen in diesem Bereich, die von den Mitgliedern der „EHI Self-Check-out-Initiative“ auf der Messe gezeigt wurden. Bereits seit 2014 arbeiten mehrere Industriepartner zusammen mit dem EHI daran, dem deutschen Einzelhandel kompakte Informationen zu dem Thema zur Verfügung zu stellen.

Flexibilität ist eine wichtige Anforderung des Handels an Self-Check-out-Systeme. Die Lösungen von Herstellern wie Toshiba, Wincor Nixdorf und Fujitsu lassen sich deshalb bei hohem Kundenaufkommen mit wenigen Handgriffen in herkömmliche Kassensysteme verwandeln, die von einer Kassenfachkraft bedient werden können. So werden Staus beim Check-out vermieden und die Kundenzufriedenheit wird gesteigert. Alle Systeme verfügen mittlerweile über Bargeldrecycling. Mehrere Bargeldkassetten vorzuhalten, wird somit überflüssig. Das spart Platz und Handling-Kosten.

Für Kunden mit großem Einkaufsvolumen präsentierten Datalogic und ITAB neue Hochleistungssysteme. Diese integrieren ein Kassenband und umfangreiche Erkennungssysteme, um den Check-out-Prozess weiter zu beschleunigen. Selbst das gleichzeitige Erkennen und Scannen von mehreren Artikeln ist für diese Systeme möglich.

Mobile Lösungen sind auch in diesem Bereich zunehmend gefragt. Beim System des Herstellers Zebra beispielsweise scannt der Kunde die Ware direkt beim Einlegen in den Warenkorb ein. Die Bezahlung erfolgt auf Wunsch automatisch per Bestätigung auf dem Endgerät. So kann der Kunde das Geschäft ohne Umweg über eine Kasse verlassen. Ist das nicht geradezu eine Einladung für Betrugsversuche? Die gebe es kaum, versichert Andreas Schöttner, Senior Account Manager Retail bei Zebra. Denn alle Kunden müssten sich zuvor mit Namen registrieren. Stichproben bei den Einkäufen durch speziell geschultes Personal sollen darüber hinaus gewährleisten, dass die Kunden ehrlich bleiben.

Sicherheitstechnik boomt

Diebstahl ist und bleibt ein Thema, das die Branche bewegt. Rund 1,3 Milliarden Euro werden jährlich in Präventiv- und Sicherungsmaßnahmen investiert. Nicht ohne Grund: Über 85 000 Ladendiebstähle bleiben laut einer EHI-Studie hierzulande täglich unentdeckt, rund 2,1 Milliarden Euro Inventurverluste entstehen dem deutschen Handel jährlich durch Ladendiebstahl. Überdies stieg die Anzahl von schweren Diebstählen um 240 Prozent.

Um Diebstähle an Self-Check-out-Systemen zu verhindern, bietet zum Beispiel Fujitsu eine Loss-Prevention-Lösung an. Der Clou des Systems ist eine intelligente Videoanalyse, die Videodaten mit den PoS-Transaktionen abgleicht. Ebenfalls für mehr Sicherheit im Einzelhandel sorgen soll eine Echtzeit-Zutrittslösung von Salto Systems. Das System bietet einen Überblick darüber, wer zu welchem Zeitpunkt eine bestimmte Tür benutzt hat. Darüber hinaus lassen sich Zutrittsrechte in Echtzeit vergeben oder auch entziehen.

Umfangreiche Serviceleistungen und mehr Bequemlichkeit sollen dafür sorgen, dass Kunden dem stationären Handel treu bleiben. So schickt zum Beispiel ein elektronisches Regaletikett dem Ladengast direkt Inhaltsstoffe, Rezepte oder Sonderangebote auf das Smartphone. Auch im Modehandel ist das Smartphone heute der direkte Draht zum Kunden. Sind Kleidungsstücke beispielsweise mit RFID-Funklösungen und QR-Codes ausgestattet, eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten. Warenbestände und -wege lassen sich hiermit für den Einzelhändler viel besser nachvollziehen. Bei Zara, C&A und Gerry Weber werden Waren beispielsweise mit RFID ausgestattet, um die Bestände zu kontrollieren. Für den Kunden bedeuten digitale Lösungen wie das magische Schaufenster, das per Augmented Reality und Gestensteuerung zur Interaktion einlädt, neue Einkaufserlebnisse.

Noch mehr Komfort bietet der Hersteller Follow Inspiration mit dem ersten selbstfahrenden Einkaufswagen. Eine eingebaute Kamera soll das Gesicht des Kunden erkennen, auf dass ihm der Einkaufswagen dann wie von Geisterhand gesteuert durch den Laden folge. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Technik in der Praxis durchsetzen wird.

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