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Energieeffizienz: Ende der Stromfresser

Lidl

Die Filialgeneration „Eco2logisch“ von Lidl berücksichtigt Energieeffizienz sowohl bei der eingebauten Technik als auch beim Gebäude selbst. © Lidl Presse

Die Summen, die der Handel für Energie ausgibt, lassen sich erheblich senken. Ein Modernisierungsansatz von Lidl zeigt, wie es geht. Das fand die Deutsche Energie-Agentur preiswürdig.

Auch wenn Energie auf den Weltmärkten derzeit preiswert zu haben ist – in den Bilanzen der Unternehmen erscheint Strom nach wie vor als erheblicher Kostenfaktor. 2013 lagen die Energiekosten der 250 umsatzstärksten Handelsunternehmen im Schnitt zwischen 1,3 und 1,7 Prozent des Nettojahresumsatzes. Das ist kein geringer Posten, wenn man berücksichtigt, dass die durchschnittliche Gewinnmarge im Handel sich in ähnlicher Größenordnung bewegt.

„Studien zum Energiemanagement zeigen, dass der Einzelhandel dem Thema Effizienz bereits hohe Relevanz einräumt. Die heterogene Struktur der Branche führt aber zu einer großen Bandbreite von Betriebs- und Instandhaltungsstrategien“, beobachtet Roman Zurhold, Projektleiter der „Initiative Energieeffizienz“ bei der Deutschen Energie-Agentur (dena). Während in den großen Unternehmen zum Teil eigene Stabsstellen das Thema betreuen, verfügt die Mehrzahl der Selbstständigen meist nicht über strategische Energieziele. Die bereits realisierten Energieeffizienzmaßnahmen zielen vor allem auf produktbezogene Anlagentechniken, wie etwa Kühlanlagen. Die Gebäude, ihre Hüllen sowie die Wärmeversorgung bleiben allerdings meist unberücksichtigt, registriert die dena-Studie „Energieeffizienz im Einzelhandel“.

Attraktive Kapitalrendite

Die Vorgehensweise von Lidl zeigt hingegen, wie durch systematische Energieeffizienzsteigerung Kapitalrenditen von bis zu 20 Prozent erzielt werden können. Mit der Filialgeneration „Eco2logisch“ hat das Unternehmen ein Konzept für nachhaltiges, energieeffizientes Bauen im Handel entwickelt. Kernbestand ist die für Lidl entwickelte Integralanlage. Sie deckt den Kältebedarf zur Klimatisierung der Räume und zur Kühlung der Waren im Normalkältebereich. Gleichzeitig ermöglicht die Anlage, die bei der Kälteerzeugung entstehende Abwärme zur vollständigen Beheizung der Filiale zu nutzen. Die Effizienz der Integralanlage wird durch die mit einer Betonkerntemperierung der Bodenplatte versehene Industriefußbodenheizung zusätzlich erhöht. Auf diesem Weg konnte Lidl gegenüber herkömmlichen Filialen 100 Prozent Heizenergie einsparen.

Mehr Informationen zur Energieeffizienz in Unternehmen finden Sie hier. Die Initiative „Energieeffizienz“ ist eine bundesweite Kampagne der dena.

Als weiterer Teil des Energiekonzepts hat Lidl Tiefkühl- und Frischfleischtruhen optimiert. In allen neu gebauten Filialen werden ausschließlich Truhen mit semiautomatischer Geräteenteisung eingebaut. Bei der Kühlung des Frischfleischsortiments spart der Discounter auf diese Weise im Jahr pro Filiale 13 Prozent Strom, bei der Tiefkühlkost gar 24 Prozent.

Durch den Einsatz von LED-Technik im Verkaufsraum, bei der Parkplatzbeleuchtung, im Eingangsbereich sowie in allen Kühltruhen konnte Lidl bei der Beleuchtung etwa 48 Prozent Strom pro Filiale und Jahr einsparen. Der standardisierte Filialtyp „Eco2logisch“ berücksichtigt Energieeffizienz sowohl bei der eingebauten Technik als auch beim gesamten Gebäude. Das umfasst den Rohbau, das Dach sowie den Ausbau und die Haustechnik. Mit 217 derart konstruierten Filialen vermeidet das Unternehmen jährlich etwa 14 000 Tonnen CO2, eine Leistung, für die Lidl 2015 von der dena mit dem ersten Preis des „Energy Efficiency Award“ der Initiative Energieeffizienz ausgezeichnet wurde. „Das Beispiel zeigt, wie sich Energieeffizienzpotenziale im Handel effektiv erschließen lassen. Innovative Konzepte mit ganzheitlicher Strategie bringen die besten Ergebnisse“, registriert Zurhold.

Hohe Investitionsbereitschaft

Lidl steht mit seinem Engagement für Energieeffizienz nicht allein. Im Food- wie Non-Food-Bereich war in den vergangenen Jahren eine sehr hohe Investitionsbereitschaft zu beobachten. Laut dena haben 56 Prozent der Unternehmen in den vergangenen fünf Jahren bis zu fünf Millionen Euro in Energieprojekte und -technik investiert. Bei 36 Prozent liegen die Investitionen zwischen fünf und 25 Millionen Euro, acht Prozent haben 25 bis 50 Millionen Euro ausgegeben. Bisherige Maßnahmen im Bereich Beleuchtung betreffen insbesondere die Anpassung an das Bedarfsniveau. Darunter fällt etwa eine Schaltung in Abhängigkeit davon, ob es sich um Öffnungszeiten oder um Zeiten der Reinigung, Warenanlieferung und -verräumung handelt. Die Beleuchtung zu Arbeitsbeginn der Mitarbeiter wird zentral gesteuert, nur zu einem Drittel angeschaltet und erst bei Ladenöffnung vollständig hochgefahren. Über diese Bedarfsanpassungen hinaus setzt sich in den vergangenen Jahren in vielen Bereichen eine Umstellung der Beleuchtung auf die LED-Technik durch.

 

„Innovative Konzepte mit ganzheitlicher Strategie bringen die besten Ergebnisse.“ Roman Zurhold, Projektleiter bei der Deutschen Energie-Agentur. © dena

„Innovative Konzepte mit ganzheitlicher Strategie bringen die besten Ergebnisse.“ Roman Zurhold, Projektleiter bei der Deutschen Energie-Agentur. © dena

Auch in der Kältetechnik gibt es im Lebensmittelhandel zahlreiche Maßnahmen zur Erhöhung der Energieeffizienz, die teilweise schon einen hohen Umsetzungsgrad aufweisen. Das reicht von der Verglasung der Kühlmöbel über den Austausch veralteter Geräte bis hin zum Einsatz energieeffizienterer kältetechnischer Anlagen. In der Tiefkühlung haben mittlerweile 98 Prozent der Lebensmittelhändler Truhen und Kühlregale mit Glasabdeckungen versehen. Bei der Normalkühlung besteht jedoch weiterhin großes Optimierungspotenzial. Bisher ist mit 45 Prozent erst weniger als die Hälfte der Normalkühlmöbel abgedeckt.

„Um die im Handel bestehenden Energieeffizienzpotenziale effektiv zu erschließen, sollte man sich nicht auf Einzelmaßnahmen fokussieren, sondern systematisch die gesamte Filiale beziehungsweise das gesamte Unternehmen auf Effizienzpotenziale überprüfen“, empfiehlt dena-Experte Zurhold.

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