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Viele Mittelständler brauchen einen Nachfolger im Chefsessel – finden aber niemanden

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Der höhere Besatz mit Großunternehmen und Konzernzentralen in Großstädten wie Berlin oder Hamburg führt in diesen Zentren auch zu einer höheren Dichte von mittelständischen Unternehmen. © contrastwerkstatt - Fotolia.com

Mehr als jedes vierte mittelständische Unternehmen in Deutschland muss innerhalb der nächsten zehn Jahre die Unternehmensführung neu regeln, weil der Eigentümer aus dem Betrieb ausscheidet. Bei immerhin 28 Prozent dieser Unternehmen ist die Nachfolge allerdings noch ungelöst.

Damit haben hochgerechnet etwa 46.000 Mittelständler die Nachfolge an der Unternehmensspitze noch nicht geregelt, obwohl diese Frage ansteht. Diese Unternehmen stehen für 292 Milliarden Euro Umsatz und beschäftigen etwa 1,49 Millionen Mitarbeiter.

Für gut jedes achte Unternehmen (13 Prozent) wird die Nachfolgeregelung bereits in den nächsten fünf Jahren akut, bei weiteren 15 Prozent steht die Übergabe der Unternehmensführung in jüngere Hände im Zeitraum 2020 bis 2025 an. Bei der Unternehmensübergabe setzen die meisten Unternehmer auf eine familieninterne Lösung: Wo bereits eine Lösung gefunden wurde, wird der Nachfolger in zwei von drei Unternehmen aus der Familie kommen. In 31 Prozent der Fälle wird ein leitender Mitarbeiter den Chefsessel einnehmen, nur bei sechs Prozent der Unternehmen wurde eine externe Lösung gefunden.

Das sind Ergebnisse des aktuellen Mittelstandsbarometers der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY). Die Studie wird halbjährlich durchgeführt. Ihr liegt eine Umfrage unter 6000 mittelständischen Unternehmen in Europa – davon 650 in Deutschland.

„Eine Nachfolgeregelung ist nicht über Nacht zu erreichen“, Peter Englisch, Partner bei Ernst & Young

„Die Nachfolgeregelung ist ein kritischer und entscheidender Moment in der Entwicklung eines Familienunternehmens. Es geht um die künftige Führungs- und Eigentümerstruktur sowie den Erhalt des Lebenswerks. Es ist oft keine rein geschäftliche Entscheidung, sondern es hängen auch viele Emotionen mit daran“, betont Peter Englisch, Partner bei EY. „Deswegen tun sich viele Familienunternehmer auch so schwer damit, den Übergabeprozess einzuleiten.” Das sei verständlich, aber sie täten damit sich und den Mitarbeitern in ihrem Betrieb keinen Gefallen.

Leider scheitere die Übergabe nach wie vor in vielen Fällen. Es sei deswegen gerade wichtig, sich so früh wie möglich mit der Nachfolge zu befassen, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten. „Eine Nachfolgeregelung ist nicht über Nacht zu erreichen“, sagt Englisch.

 

22 Prozent der Mittelständler in Europa müssen bald Nachfolge regeln

In Deutschland ist das Problem europaweit mit am drängendsten. Nur in der Schweiz (38 Prozent) und Portugal (34 Prozent) stehen in den nächsten zehn Jahren mehr Familienbetriebe vor einem Wechsel an der Unternehmensspitze. In Polen und Großbritannien müssen sich wie hierzulande 28 Prozent damit beschäftigen. Durchschnittlich kommen in Europa auf 22 Prozent der Betriebe Nachfolgeregelungen innerhalb der nächsten zehn Jahre zu.

Die Lösungen sind international sehr verschieden. Nur in Griechenland setzen mit zehn Prozent ebenso viele Betriebe auf eine familieninterne Lösung wie in Deutschland. In anderen Ländern findet die Übergabe seltener innerhalb der Familie statt. Eine unternehmensinterne Lösung wird vor allem in Portugal bevorzugt, wo elf Prozent der Betriebe diesen Weg wählen. Am offensten für eine unternehmensexterne Lösung sind die Betriebe in Großbritannien mit sechs Prozent.

 

Besonders schwer mit der Nachfolgeregelung tun sich Betriebe in Schweden und in der Schweiz

Ähnlich wie in Deutschland haben zahlreiche europäische Mittelständler noch gar keine Lösung gefunden. Besonders schwer tun sich die polnischen Betriebe mit der Nachfolgeregelung. 17 Prozent haben noch keine Lösung. Auch in Schweden und in der Schweiz ist der Anteil mit elf Prozent hoch.

Englisch wirbt dafür, die Nachfolgefrage positiv anzugehen: „Eine gelungene Nachfolge bietet die Chance, mit frischem Wind in den Segeln die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und die Ertragskraft nachhaltig zu steigern.“

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Kommentare

  1. Guten Tag, mein Sohn macht im nächsten Jahr sein Abitur. Er möchte unbedingt in die Unternehmensleitung. Da ich kein eigenes Unternehmen habe, kann ich kein Unternehmen weitergeben. Mein Sohn und ich haben überlegt, ob man nicht in ein Unternehmen über die nächsten Jahre hineinwachsen könnte. Learning by doing. Er will studieren und möchte aber auch gleichzeitig Kontakt zur Praxis erhalten. Solch ein dynamisch, zielstrebiger junger Mensch steht bereit. Wie kommt solch ein Mensch mit den Unternehmen zusammen?

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