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Grüne Signale: Nachhaltiges Fuhrparkmanagement

Nachhaltiges Fuhrparkmanagement zahlt sich aus. Nicht nur ökologisch, sondern auch finanziell. Auf der Überholspur fahren sparsame und gemeinsam genutzte Fahrzeuge.

Im Land der Mülltrennung und alternativen Energiegewinnung ist eine ökologisch sensibilisierte Außendarstellung unternehmerische Pflicht. Das gilt insbesondere für den Handel und im Speziellen für das Fuhrparkmanagement. Jüngst musste sich die Politik in diesem Bereich dem kritischen Urteil der Öffentlichkeit stellen. Bundesweit berichteten Medien über eine aktuelle Studie der Deutschen Umwelthilfe, die den Kohlendioxidausstoß von Politikerdienstwagen in Bund und Ländern untersucht hat. Unter der Überschrift „CSU-Politiker fahren die übelsten Dreckschleudern“ geißelte etwa „Spiegel Online“ mit deutlichen Worten das „miserable“ Abschneiden der „schlechtesten Vorbilder“. Gemeint waren die Mitglieder der bayerischen Staatsregierung und der CSU, deren Dienstwagen den seit 2012 in der EU geltenden CO2-Grenzwert von 130 Gramm pro Kilometer überschritten.

Erdgas statt Elektro

„Das ökologische Fuhrparkmanagement ist ein wichtiges Element der Imagepflege“, sagt Michael Müller-Görnert vom Verkehrsclub Deutschland (VCD). Der Leiter des von Bundesregierung und Industrie ausgezeichneten Projekts „Grüne Flotte im Betrieb“ rät Handelsunternehmen, eine klare Strategie hin zu einer klimaschonenden Flotte festzulegen – und diese auch werbewirksam nach außen zu tragen. „Der Umweltgedanke muss im Betrieb von oben nach unten gelebt werden. Der Manager sollte die schicke Limousine in der sparsamen Ökoversion fahren“, so Müller-Görnert.

Die Anschaffung lokal emissionsfreier Elektrofahrzeuge für die Flotte empfiehlt der Experte jedoch nicht: „Die Kosten sind deutlich zu hoch. Plug-in-Hybride, also die Kombination eines Elektromotors mit einem Verbrenner, sind eine tauglichere Alternative.“ Im Bereich der Transporter könne sich aus Sicht des Handels ein Blick auf Erdgasfahrzeuge lohnen, insbesondere für den alternativen Antrieb in Umweltzonen, meint der VCD.

Die Zahl der Neuzulassungen legte 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 2,3 Prozent auf 9 100 Erdgasfahrzeuge zu. Zwei von drei Erdgasfahrzeugen in Deutschland werden schon im Gewerbe zugelassen. Die Modellauswahl wächst: Fiat etwa hat kürzlich neben dem Doblo und dem Fiorino auch das Modell Ducato mit Erdgas ins Angebot genommen; der Kastenwagen erfüllt die Abgasnorm Euro 6. Im Pkw-Bereich kam in den vergangenen Monaten mehr als ein Dutzend neuer Erdgasautos auf den Markt, darunter der VW Golf TGI und der Audi A3 g-tron. Gut kam in der Nische die Nachricht an, dass die Bundesregierung im Ende des vergangenen Jahres vorgestellten „Aktionsplan Klimaschutz 2020“ die Steuerermäßigung für Erdgas als Kraftstoff über 2018 hinaus bestätigt hat.

Megatrend Corporate Carsharing

2014 wurden laut Jahresbilanz des Kraftfahrtbundesamtes insgesamt 3,04 Millionen Neuwagen in Deutschland zugelassen. Der Anteil gewerblicher Zulassungen wächst seit Jahren und erreichte im vergangenen Jahr 63,8 Prozent. Der Anteil der Neuwagen mit alternativen Antriebsarten stieg jedoch nur von 1,6 auf 1,7 Prozent, darunter 27 435 Hybride und 8 522 Elektromobile. Eine Möglichkeit, Kosten zu sparen und dennoch die alternativen Antriebstechniken in den Fuhrpark einzubinden, bietet das Corporate Carsharing. Experten sehen in dieser Variante der boomenden Sharing Economy, die eine gemeinsame Nutzung von Ressourcen beschreibt, einen Megatrend in der Fuhrparkbranche. „Autos, die stillstehen, kosten Geld. Gerade für Flotten, die nur zu Stoßzeiten bestimmte Fahrzeuge brauchen, sind neue Mobilitätskonzepte wie das Carsharing daher bedenkenswert“, sagt Carsten Knauer, Referent Fachgruppe Fuhrparkmanagement beim Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME).

Privat oder geschäftlich? Nutzer von Drivenow haben die Wahl. Jeder Fünfte macht Gebrauch von dieser Möglichkeit. (c) Drivenow

Privat oder geschäftlich? Nutzer von Drivenow haben die Wahl. Jeder Fünfte macht Gebrauch von dieser Möglichkeit. (c) Drivenow

In Ballungszentren erledige sich dadurch auch das Parkplatzproblem, das vielen Fahrern die private Nutzung ihres Dienstwagens verleiden könne, so Knauer. Beim Carsharing stellt man das Fahrzeug an einer Verleihstation ab oder lässt es im zunehmend nachgefragten One-Way-System einfach dort stehen, wo gerade ein Parkplatz frei ist. Weitere Pluspunkte: Im geteilten Auto sind auch Mitarbeiter ohne Dienstwagenanspruch mobil.

Wahl zwischen privat und geschäftlich

Nutzer des stationsunabhängigen Carsharinganbieters Drivenow etwa können im Kundenkonto ihre geschäftlichen Daten hinterlegen. Die Rechnung wird dann gleich auf die jeweilige Firmenadresse ausgestellt und vereinfacht somit die Reisekostenabrechnung. Wenn der Fahrer das Auto außerdienstlich nutzen möchte, kann er bei Fahrtantritt seine Wahl treffen. „Jeder fünfte Drivenow-Kunde in Deutschland nutzt mittlerweile die Möglichkeit, im Fahrzeug zwischen einer privaten und einer geschäftlichen Fahrt wählen zu können“, sagt Michael Fischer, Leiter Unternehmenskommunikation bei Drivenow. Unternehmen können durch Vereinbarungen mit Carsharinganbietern Kosten für nicht ausgelastete Leasingfahrzeuge, herkömmliche Mietwagen und sonstige Reisekosten wie Bahntickets und Taxifahrten reduzieren. Bei einer Fahrleistung von über 10 000 Kilometern pro Jahr ist jedoch im Einzelfall genau zu prüfen, ob sich das Carsharing noch lohnt.

„Gerade für Flotten, die nur zu Stoßzeiten bestimmte Fahrzeuge brauchen, sind neue Mobilitätskonzepte wie das Carsharing bedenkenswert“, sagt Carsten Knauer, Referent Fachgruppe Fuhrparkmanagement beim BME. (c) privat

Nach Angaben des Bundesverbands Carsharing sind aktuell gut eine Million Mitglieder bei 150 Anbietern angemeldet, deren Angebot in 490 Kommunen wahrgenommen werden kann. Das Berliner Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ), das sich forschend mit Carsharingservices und deren Auswirkungen auf das automobile Nutzungsverhalten beschäftigt, taxiert die Zahl der registrierten Kunden in Deutschland gar auf bis zu 1,7 Millionen. Die gewerbliche Nutzung der Services nimmt laut InnoZ stetig zu. Laut „Carsharing-Barometer“ des Wiesbadner Automotive Institute for Management (AIM) an der European Business School kann sich rund die Hälfte der deutschen Unternehmen den Einsatz des betrieblichen Carsharings vorstellen. Das klingt gut, doch zum Vergleich: In Deutschland sind derzeit insgesamt 44,4 Millionen Fahrzeuge auf den Straßen. Auf dem Weg zum grünen Fuhrpark kann das Corporate Carsharing darum nur einer von mehreren Schritten sein.

Sprit sparen dank Training

Eine Studie der neutralen Expertenplattform Corporate Vehicle Observatory (CVO) hat ergeben, dass die Verlagerung zu Fahrzeugen mit geringem Kraftstoffverbrauch die wichtigste Umweltschutzmaßnahme für Flottenverantwortliche darstellt. 72 Prozent der für das „CVO-Barometer“ europaweit befragten 3 600 Fuhrparkmanager (davon 301 in Deutschland) wollen künftig auf sparsamere Modelle umsteigen. Die grüne Flotte trägt nicht nur zum Imagegewinn bei, sondern kann trotz höherer Anschaffungskosten längerfristig Geld sparen. Denn die Kraftstoffkosten machen im Durchschnitt etwa ein Drittel der Vollkosten einer Unternehmensflotte aus. „Eine in der Dienstwagenrichtlinie festgelegte umweltfreundliche Marken- und Modellstrategie kann im Zusammenspiel mit Maßnahmen, wie etwa Bonusvergüteten Spritsparwettbewerben unter Mitarbeitern, zehn Prozent Kosten einsparen“, erklärt BME-Experte Carsten Knauer: „Durch eine vorausschauende Fahrweise können weitere fünf bis zehn Prozent im Bereich der Kosten für Wartung, Reifen und Unfallschäden gespart werden.“

Die Unternehmen setzten zwar längst auf Planungssoftware und intelligente Telematiksysteme, um Außendiensteinsätze zu koordinieren und Fahrzeugdaten zu erheben. Auch an Leichtlaufreifen und -öle wird vielerorts gedacht. Doch Fahrtrainings, die signifikant zur Senkung der Kostenfaktoren Verbrauch und Verschleiß beitragen können, werden noch viel zu selten angeboten, klagt Michael Müller-Görnert vom Verkehrsclub Deutschland: „Ein Gutteil der Verbrauchseinsparung wird durch den Fahrer verwirklicht. Spritsparschulungen sind nicht teuer und können auch innerbetrieblich absolviert werden. Leider fehlen flächendeckende Konzepte.“

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