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Aller Anfang ist leicht

Onlineshops sind im Einzelhandel noch längst keine Selbstverständlichkeit. Vor allem kleine und ältere Händler fühlen sich oft nicht kompetent genug für den Einstieg. Dabei gibt es viele preiswerte Hilfestellungen.

Solche Nachrichten hört die Branche gern: „Deutschlands Einzelhändler sind in Sachen Digitalisierung besser aufgestellt als gedacht“, jubelte vor wenigen Wochen die „Wirtschaftswoche“ angesichts einer Studie über die Online-Aktivitäten der hundert größten Handelsunternehmen im Land. Die Ergebnisse klingen erfreulich: 60 Prozent der Firmen betreiben bereits einen eigenen Onlineshop. Immerhin die Hälfte der Topmarken verfügt über ein eigenes Mobilangebot.

Thorben Fasching (c) B. Behrens

„Letztlich muss jeder Einzelhändler analysieren und abwägen, ob sich der Aufwand für Einrichtung, Betrieb und Vermarktung des Onlineshops auszahlen wird”, sagt Thorben Fasching, Vorsitzender Fokusgruppe Digital Commerce im Bundesverband Digitale Wirtschaft.

 

So schmeichelhaft solche Nachrichten für den Handel sein mögen – repräsentativ sind sie nicht. Wer nicht nur die bekannten Marken, sondern den gesamten Handel in den Blick nimmt, gelangt zu Ergebnissen, die eher beunruhigend klingen: Nach Einschätzung des HDE verkaufen lediglich 24 Prozent aller stationären Händler in Deutschland ihre Waren auch über eigene Onlineshops. Weitere zwölf Prozent sind immerhin noch auf anderen Onlineverkaufsplattformen präsent. Für die Mehrheit sind Onlinemarketing und Verkäufe im Netz offenbar jedoch noch immer so fremd wie die berüchtigten böhmischen Dörfer. Viele dieser Händler sind nicht einmal auf Google Maps oder der Verbraucherplattform Yelp vertreten. „Nicht für jeden Einzelhändler und für jedes Geschäftsmodell ist ein eigener Onlineshop unbedingt sinnvoll. Andererseits wird der Onlineshop als Vertriebsplattform durch den digitalen Wandel immer wichtiger. Und mit dem Thema Mobile Commerce steht bereits die nächste Innovation an“, registriert Darija Bräuniger, Referentin für E-Commerce beim HDE.

Doch der Einstieg scheint kompliziert. Digital unerfahrene Unternehmer, die einen Shop im Netz eröffnen wollen, sehen sich bereits bei der Planung mit einer Vielzahl komplexer Fragen konfrontiert. Fallstricke gibt es viele: Die Wahl des falschen Shopsystems ist dabei nur der häufigste, aber beileibe nicht einzige Fehler. Um ihn zu vermeiden, sollte die Entscheidung darüber nicht am Anfang des Projekts stehen. Weitaus wichtiger sind zunächst die Beschäftigung mit der Zielgruppe, die Ermittlung des potenziellen Bedarfs und die Analyse des digitalen Wettbewerbsumfelds. Wichtigste Frage: Kann ich mit einem Onlineshop meinen Kunden einen echten Mehrwert bieten oder bin ich im Internet nur ein weiterer Me-too-Anbieter in einem ohnehin schon überbesetzten Markt?

Erst wenn hierüber Klarheit herrscht, sollte Ausschau nach dem passenden System gehalten werden. Dazu sollte man sich Zeit nehmen. Das Angebot an Shopsystemen ist größer und unübersichtlicher denn je. „Am Anfang sollte man es nicht zu kompliziert machen. Der Shop muss zu Beginn nicht alles anbieten“, empfiehlt der IT-Experte und Unternehmer Karl-Heinz Land.

Zur Orientierung empfehlen sich Checklisten, wie sie etwa vom Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) oder auch vom E-Business-Lotsen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie angeboten werden. Auch die Toolbox des HDE (siehe Info unterhalb dieses Absatzes) bietet umfangreiche und leicht verständliche Infos für den Einstieg in den Onlinehandel.

Hilfe für HDE-Mitglieder

Die HDE-Toolbox – die passwortgeschützte Infoplattform des HDE zu allen unternehmensrelevanten Fragen rund um das Thema E-Commerce – hat ihr Angebot deutlich erweitert. Unter www.hde-toolbox.de finden Mitglieder der Handelsverbände detaillierte und praxisrelevante Informationen zu sämtlichen Aspekten des Onlinehandels. Hierzu zählen Tipps und Tricks für den eigenen Internetauftritt vom Design bis hin zur Suchmaschinenoptimierung sowie Ratschläge für die Kommunikation in sozialen Netzwerken wie Facebook, YouTube, Twitter und Co. „Wir wollen damit keine Unternehmensberatung bieten, sondern in erster Linie vermitteln, was für die ersten Schritte am wichtigsten ist“, erklärt HDE-Referentin Darija Bräuniger. www.hde-toolbox.de

 

Preisgünstige Mietshops

Unternehmen, die auf Basis ihrer Marktanalyse nach einfachen Lösungen suchen, werden in der Regel einen Mietshop favorisieren, wie er von Dienstleistern wie 1&1, Strato oder Jimdo angeboten wird. Die wichtigsten Stärken solcher Mietshops sind die entfallenden Lizenzkosten sowie der Support und die Softwarepflege durch den Dienstleister. Auch können Händler auf diese Weise zügig in den Onlineverkauf starten, weil die Installation und zahlreiche Konfigurationsschritte entfallen. Weil der Betreiber das System nicht erwirbt, zahlt er nur eine monatliche Mietgebühr. Die Anfangsinvestitionen bleiben somit gering. Basispakete von 1&1 oder Strato werden bereits für weniger als zwanzig Euro pro Monat angeboten. Dafür muss man jedoch auch Beschränkungen in Kauf nehmen: Der Speicherplatz ist begrenzt, es sind nur wenige Statistiken und Berichte verfügbar. Eine genauere Analyse der Verkaufsaktivitäten ist auf dieser Basis kaum möglich. Mitunter berechnen Provider zudem Transaktionsgebühren auf die Umsätze, sodass die laufenden Kosten steigen. Auch wer seinen Shop durch anspruchsvolles Design aufwerten will, stößt bei einfachen Mietshops schnell an Grenzen, da sie Designanpassungen kaum zulassen. Weiterer Nachteil: Oft unterstützen diese Plattformen nur wenige Zahlungsarten.

Wer Mietshops mit umfangreicherem Service haben will, muss tiefer in die Tasche greifen. Bei Anbietern wie Plentymarkets oder X-Site erhält der Kunde alle nötigen Programme und Daten sowie – je nach Tarif – zahlreiche Zusatzleistungen wie Cloud Hosting, Softwarewartung, CRM, Beratung, Support und Schulungen. Einsteigerangebote gibt es bereits ab 100 Euro im Monat, bei Full Service und hohem Datenverkehr können jedoch auch schnell 1 000 Euro und mehr als Monatsgebühr fällig werden. Einige dieser Provider bieten auch umsatzbasierte Mietmodelle an, bei denen der Händler für die tatsächlich über die Plattform abgewickelten Bestellungen zahlt.

kanalFreiheit durch Open Source

Händler, die sich mit ihrem Onlineshop nicht von einem Mietsystem abhängig machen wollen, haben zahlreiche andere Möglichkeiten: Sie können Shopsoftware kaufen oder auf kostenlos zugängliche Open-Source-Software zurückgreifen und diese im Netz entweder selbst hosten oder über einen entsprechenden Provider hosten lassen. Der Vorteil der Kaufsysteme ist ihre größere Flexibilität: Sie bieten zumeist ein deutlich größeres Angebot an Funktionen, die ein Shopbetreiber nach Bedarf nutzen und erweitern kann. Auch bei der Wahl des Hosting-Providers ist man freier, denn er kann zumeist problemlos gewechselt werden. In vielen Fällen erweisen sich jedoch ebenso Open-Source-Lösungen für kleinere und mittlere Unternehmen als die erste Wahl. Ungeachtet der freien Software ist aber auch Open Source keine Billiglösung – für die Implementierung und Erweiterung der Programme müssen in der Regel kommerzielle Dienstleister beauftragt und bezahlt werden.

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