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Die Kasse kommt zum Kunden

G. Campell/ NCTR; Fujitsu

iPad und Co. halten verstärkt Einzug in den Verkaufsraum: Auf der Handels-ITMesse EuroCIS in Düsseldorf zeigten Anbieter vielfältige Einsatzmöglichkeiten für Consumer- und Business-Tablets.

Eine Prise Größenwahn und den Mut zu ungewöhnlichem Marketing können Startups im hart umkämpften Markt für Einzelhandelstechnologie gut gebrauchen, um sich gegen etablierte, teilweise seit zig Jahren am Markt befindliche Wettbewerber durchzusetzen. Während Unternehmen, vor allem Konzerne, gerne mal ihre Lieferanten prämieren, geht die kaum zwei Jahre alte Berliner Firma Inventorum den umgekehrten Weg: Sie zeichnete während der IT-Messe EuroCIS mit dem Düsseldorfer Laden „Live Fast Die Young“ einen Kunden aus. Das junge Modelabel darf sich nun rühmen, der erste „Stadtpate“ von Inventorum zu sein und mithin ein Musterbeispiel für die erfolgreiche Zukunft des lokalen Einzelhandels.

Inventorum hat das Geschäft mit seiner Kassen- und Warenwirtschaft auf Basis von Apples iPad ausgestattet. Eine Investition, die voll im Trend liegt, wie sich auf der diesjährigen EuroCIS zeigte. Die Kasse wird mobil und mit ihr eine ganze Reihe von Softwaresystemen, die der Einzelhandel sonst am stationären Check-out oder auf den PCs im Backoffice betreibt. Scannen, Bezahlvorgänge ausführen, Verfügbarkeit von Waren prüfen, Kundendaten abrufen – all das kann das Verkaufspersonal nun mit dem Tablet in der Hand ausführen, wo immer auf der Verkaufsfläche Bedarf ist.

Das vielfältige Angebot der IT-Hersteller und Dienstleister trifft im Markt auf eine entsprechende Nachfrage. Wie eine Studie des EHI Retail Institute zu den IT-Investitionen des Handels zeigt, planen nur 39 Prozent der Handelsunternehmen keinen Einsatz von Tablets, während 23 Prozent bereits spezielle Business- Tablets im Einsatz haben und sich weitere 28 Prozent auf handelsübliche Tablets wie Apples iPad oder Samsungs Galaxy verlassen. Diese Unterschiede kommen nicht von ungefähr: In Baumärkten oder in Supermärkten zum Beispiel werden robustere („rugged“) Geräte benötigt, an die sich auch Peripheriegeräte wie Kartenleser anschließen lassen, während es in stylischen Modeläden auch auf Eleganz und ein gewisses Designstatement ankommt. „Da ist viel Dynamik drin“, kommentiert Ulrich Spaan vom EHI die Ergebnisse der Befragung von 95 Handelsunternehmen.

„Queue-Busting“ war auf der EuroCIS sicherlich eine der meistbenutzen Vokabeln in diesem Zusammenhang. Mit mobilen Kassen lassen sich endlose Schlangen am Check-out von Supermärkten schnell auflösen und damit die Gefahr reduzieren, dass sich wartende Kunden irgendwann genervt davonmachen. Nicht nur Epson geht von einem Szenario aus, in dem die Kunden dann bargeldlos bei einem Verkäufer mit der Tabletkasse bezahlen, und hat seit Kurzem ein wichtiges Utensil dafür im Angebot: einen kleinen, mobilen Drucker, der auf den Namen „TM-I“ hört und in sich einen kompletten PC trägt, also auch die komplette Kassenfunktionalität. Er kann über Tablets angesteuert werden und – natürlich – den Ausdruck von Verkaufsbons übernehmen.

„Die Mobilisierung im Einzelhandel passiert genau jetzt“, frohlockt Jan Kämpfer, Marketingleiter von Panasonic, und fächert die Möglichkeiten auf. Sie reichen vom Self-Scanning und Training der Mitarbeiter über Verkaufsunterstützung und mobiles Bezahlen bis hin zu Kundenbefragungen im Laden. Auf der EuroCIS erstmals vorgestellt wurde dazu ein auf den Einzelhandel und die Gastronomie abgestimmtes Modell aus Panasonics Toughpad-Reihe, dessen Name ein wenig klingt wie der kleine Bruder von R2D2 aus Star Wars: FZ R1.

Die Motivation für die Anschaffungen bleibt aber, je nach Branche und Unternehmen, individuell. Manchmal hilft ein Impuls von außen. So eignen sich Tablets gut dafür, wie von der EU verlangt, die Inhaltsstoffe von Lebensmitteln auszuweisen. Anderswo geht es um einen effizienteren und für die Kunden befriedigenderen Beratungsprozess. Verkäufer können Bestandsdaten abrufen, direkt im Gespräch auf Kundendaten und Bonusprogramme zugreifen oder auf dem Display Outfits vorführen. NCR ermöglichte mit dem flammneuen Programm „Sales Advisor“ einen Blick in diese nahe Zukunft. „Die Idee ist, dem Verkäufer einen mobilen Verkäufer an die Hand zu geben“, erklärt Michael van Lunteren, Softwarespezialist bei NCR.

schienke

Mobile Systeme in den Geschäften sollten im Idealfall nicht einfach an die bestehende Software- und IT-Architektur angeflanscht, sondern aus ihr heraus entwickelt werden. Sonst droht ein Wildwuchs der Systeme, der bei künftigen Änderungen nur noch schwer und mit hohen Kosten zu beherrschen ist. „Es geht um eine strategische Weichenstellung“, erklärt Ralf Schienke, Head of Retail Sales bei Fujitsu, das seine Handelslösungen folgerichtig in eine „Connected Retail Strategy“ einbettet. Die neue Software für iOS- oder Windows-Tablets funktioniert nur in Verbindung mit Fujitsus Einzelhandelssoftware „Fujitsu Market Place“.

Die diesjährige EuroCIS hat gezeigt: Die mobilen Tabletkassen boomen. Dass gerade jetzt die Zeit dafür reif scheint, hat viel mit dem Einzug der mobilen Geräte in den Alltag zu tun. „Wir erleben eine iPhonisierung der Gesellschaft“, findet NCR-Mann van Lunteren, „und der Umgang mit den Geräten ist erwachsener geworden. Es sind normale Gebrauchsgegenstände.“ Seine These, dass die Kunden angesichts dieser Entwicklung mehr und mehr auch mobil bedient werden möchten, scheint nicht aus der Luft gegriffen zu sein.

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