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„It’s not all about money“

(c) Thomann Presse

Im oberfränkischen Treppendorf mit nicht einmal 200 Einwohnern sind 2014 über 2 000 Initiativbewerbungen aus ganz Europa eingegangen. Allein samstags besuchen im Schnitt 2 000 Menschen das Dorf, genauer: das 5 200 Quadratmeter große Musikhaus von Hans Thomann.

Was das Geheimnis dieses Erfolges ist? „Ich glaube, wir sind deshalb so erfolgreich, weil wir aus dem Einzelhandel kommen und aus einem ganz kleinen Dorf hier in Franken. Wir sind immer größer geworden, weil wir immer besser geworden sind. Wir fragen uns einfach: Was ist cool für unsere Kunden? Was ist gut für unsere Mitarbeiter? Was können wir besser machen? Dadurch sind wir gewachsen“, erklärt Hans Thomann fränkisch- lapidar.

Eine aktuelle Studie des ECC Köln bescheinigt seinem Onlineshop – dem umsatzstärksten der Welt für Musikalien – die zufriedensten E-Commerce-Kunden Deutschlands. Die Liste der Trophäen, Ehrungen und Auszeichnungen ist lang. Die der abgelehnten Übernahmeangebote auch. Warum er nicht verkauft? „It’s not all about money“, sagt Thomann und lacht.

„ Wir fragen uns einfach: Was ist cool für unsere Kunden?“
Hans Thomann

Als Hans Thomann das Ladengeschäft 1990 von seinem Vater übernahm, arbeiteten dort 15 Mitarbeiter. Im Jahr 2014 beschäftigte er rund 1 000 Mitarbeiter und erwirtschaftete einen Nettoumsatz von über 600 Millionen Euro, 14 Prozent mehr als im Vorjahr.

Dieser Tage öffnet die neue, sechs Millionen Euro teure Kantine für Mitarbeiter und Kunden ihre Pforten, in Kürze will Thomann mit dem Bau der neuen Logistikhallen starten. Fläche und Ausstoß sollen sich verdoppeln. Dazu sei bemerkt: Die Preise für Instrumente und technisches Studiozubehör sind in den vergangenen Jahrzehnten bei steigender Qualität gefallen. Das Geschäft ist hart. Bei Amazon gibt es Querflöten für unter 100 Euro. Außerdem spielen – zumindest in Deutschland – immer weniger Menschen ein Instrument. Deshalb sind Thomanns Mitbewerber „alle Branchen, die Jugendliche davon abhalten, ein Instrument zu lernen“.

Er sei ganz normal, habe nicht BWL studiert, kokettiert Hans Thomann. Schon im Alter von fünf, sechs Jahren war er regelmäßig im Laden seines Vaters, ab seinem zwölften Lebensjahr stand er hinter dem Verkaufstresen. Später absolvierte er drei Ausbildungen: zum Blechblasinstrumentenbauer, Nachrichtenmechaniker und Feingerätemechaniker. Natürlich spielt Hans Thomann diverse Instrumente: Bariton und Klavier, Schlagzeug und eigentlich wollte er mit 50 auch die Gitarre beherrschen, doch dazu sei es nun schon zu spät, sagt der 52-Jährige und stellt vermutlich sein Licht unter den Scheffel.

Er hat eine 70-Stunden-Woche, die ihm Spaß macht. Was genau ihm Freude bereitet? „Zum einen die Kunden und zum anderen die Mitarbeiter.“ Alle Verkäufer sind Musiker, eine kaufmännische Ausbildung sei nicht zwingend notwendig, heißt es in den Stellenausschreibungen. Musiker hätten mehrere gute Eigenschaften, erklärt der Chef. In der Tat: Wer jemals ein Instrument erlernt hat, weiß, dass man dranbleiben muss, wenn man etwas erreichen möchte. Wer in einer Band spielt, ist im Wortsinn Teamplayer und hört auf die anderen.

Thomann macht es seinen Leuten einfach, gut zu sein: Jeder Mitarbeiter kommt in die Abteilung, für die sein Herz schlägt. So arbeitet der leidenschaftliche Gitarrenspieler nicht nur in der Gitarrenabteilung, sondern berät in dem von ihm bevorzugten Genre: „Sie können einen Heavy-Metal-Musiker nicht mit einem Jazzer zusammenbringen, das geht nicht. Das geht auch für Kunden nicht.“ Ebenso wenig, wie man den Käufer eines Steinway-Flügels genauso ansprechen kann wie den Interessenten für eine Clapton Fender Strat.

Und so wird jeder Kunde von einem Mitarbeiter beraten, der seine Leidenschaft teilt. Diese Philosophie gilt auch im Servicecenter, in dem jeder Kunde den Namen, die Durchwahl und die individuelle Mailadresse seines Ansprechpartners bekommt. Die Kunden danken es durch Wiederkauf und Weiterempfehlung. Trotzdem wird Hans Thomann nicht damit aufhören, noch besser werden zu wollen. „Handel ist Wandel“, sagt er, „das war schon immer so, und das ist auch gut so.“

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