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Strahlende Sieger

Die Messe Fair Trade & Friends in Dortmund ist erwachsen geworden. Auch die diesjährigen Preisträger des FA!R-Handelspreis 2014 haben qualitativ zugelegt.

Mit dem Konzept der Fair & Friends verfolgen wir das Ziel, den Fairen Handel und verwandte Wirtschaftszweige abzubilden und miteinander in den Dialog zu bringen. Kernangebot der Fair Trade & Friends ist und bleibt natürlich der Faire Handel. Weitere Ansätze nachhaltigen Wirtschaftens wie ethisches Investment, gemeinschaftlicher Konsum und ökologisch wie sozial verantwortlicher Tourismus gehören jedoch für uns und auch für unsere Zielgruppe genauso zu einem nachhaltigen Lebensstil wie der Faire Handel“, erklärt Sabine Loos, Hauptgeschäftsführerin der Westfalenhallen Dortmund GmbH, auf der Eröffnungsveranstaltung der Messe, die vom 5. bis 7. September 2014 in Dortmund stattgefunden hat. Mit dem modifizierten Konzept, das schon 2013 verwirklicht wurde, bahnt sich Deutschlands Leitmesse erfolgreich weiter ihren Weg. Mit rund 160 Ausstellern aus insgesamt 15 Nationen konnte die Fair Trade & Friends in diesem Jahr ihre Spitzenposition weiter ausbau en. Die Ausstellerzahl konnte damit im Vergleich zum Vorjahr um rund 20 Prozent übertroffen werden. 30 Prozent mehr Fläche wurde an die Aussteller vermietet. Außerdem wurde die Fair Trade & Friends vom Bundesland Nordrhein-Westfalen im Rahmen der Initiative ’Germany at its best’ offiziell als „Deutschlands größte Messe zum Fairen Handel“, ausgezeichnet.

Was 2010 in nur einer Halle begann, hat sich mittlerweile auf insgesamt vier Messehallen ausgedehnt. Bis 2012 fand die Messe unter dem Kurztitel „FA!R“ statt. 2013 kam der Bereich „FRIENDS“ hinzu, der sich seitdem auch im Messenamen wiederfindet. In diesem Ausstellungssegment präsentiert die Fair Trade & Friends Produkte und Dienstleistungen zu Themengebieten wie gemeinschaftlicher Konsum (collaborative consumption), Re- und Upcycling, ethische Geldanlagen und nachhaltiger Tourismus. In diesem Jahr liegt den Veranstaltern besonders am Herzen, Eco-Fashion, also Mode, die unter ethisch angemessenen Bedingungen produziert wurde, bekannter zu machen und ihre unterschiedlichen Ansätze abzubilden. Fachleute sowie die Endverbraucher finden auf der Messe etablierte Anbieter ebenso wie junge Designer, die ihre Textilien aus Fair-Trade-zertifizierter Baumwolle herstellen.

Das handelsjournal ist seit den Anfängen der Messe dabei und hat die Entwicklung der Fair & Friends mit dem FA!R-Handelspreis begleitet. Die Preisträger haben auf diese Weise jedes Jahr aufs Neue die Entwicklung des fairen Handels im Lebensmitteleinzelhandel, dem Textilhandel und den Weltläden widergespiegelt. 2014 wird die Auszeichnung nun zum fünften Mal an diejenigen Händler vergeben, die sich um den Fairen Handel verdient gemacht haben.

Lebensmitteleinzelhandel

Sieger: Kornhaus Naturkost

Lindemannstraße 14, 44137 Dortmund

Respekt und Verantwortung im Umgang mit Boden, Pflanzen, Tier und Mensch zum Erhalt der Umwelt ist das Leitbild vom Kornhaus Naturkost. „Wir denken in Systemen, die sich langfristig erhalten, indem sie sich immer wieder erneuern. Diese Nachhaltigkeit hat für uns drei Aspekte: das Ökologische, das Soziale und das Ökonomische“, sagt dazu InhaberStefan Schlepütz. In diesem Dreiklang ist fairer Handel ein wichtiger Aspekt. „Wir führen fair gehandelte Produkte aus den Entwicklungsländern. Doch auch in Europa pflegen wir einen fairen Umgang mit unseren Lieferanten und Herstellern“, erläutert Schlepütz seine Vision des fairen Gedankens. Deshalb bietet das Kornhaus neben fairen Produkten aus fernen Ländern bevorzugt auch Waren aus der Region und der Saison an. Die kurzen Transportwege sorgen für Frische und Geschmack und vermeiden unnötige Umweltbelastungen. Aber auch Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind dem Unternehmen wichtig. Seit 2010 handelt das Kornhaus CO2-neutral und führt als erstes Dortmunder Unternehmen das Stop-Climate-Change-Siegel.

Weltläden

Sieger: Weltladen Lingen

Große Straße 4, 49808 Lingen

Bereits seit 1981 existiert der Weltladen Lingen. Seitdem haben die etwa 20 aktiven Mitgliedern durch außergewöhnliches kreatives Engagement das Geschäft ständig weiter entwickelt. So hatten sich die Betreiber 2013 entschlossen, in die belebte Einkaufsstraße von Lingen umzuziehen, um dem Weltladen neue Impulse zu geben. Ein Schritt, der viel Mut brauchte. Schließlich sind dort die Mieten nicht ohne: An dem neuen Standort muss der Weltladen Lingen eine monatliche Warmmiete von 1.000 Euro zahlen. Kosten, die erst einmal verdient werden müssen. Doch Mut und Einsatz haben sich gelohnt. Der Umsatz konnte verdoppelt werden. Geld, das verstärkt dem fairen Handel zugute kommt. Aber auch über den Verkauf hinaus wird persönliche Initiative groß geschrieben. Die Mitarbeiter arbeiten im Weltladen-Dachverband mit und nehmen an dessen Aktionen teil. Außerdem unterziehen sich die Mitglieder den Qualifizierungsmaßnahmen der Fairhandelsgruppenberatung und engagieren sic h in kommunalen Strukturen — als Mitstreiter in der Steuerungsgruppe Fairtrade Town.

Textileinzelhandel

Sieger: Yavana

Brunnenstraße 32, 40223 Düsseldorf

Bei Yavana findet der Konsument umweltbewusst produzierte und fair gehandelte Bio-Mode. Ob lässiger Street-Style, urbaner Chic oder elegantes Outfit — die Labels, die Inhaberin Margarete Riemer in ihrem 65 qm großen Shop in Düsseldorf Bilk verkauft, müssen einem hohen Anspruch gerecht werden. „Wir wollen, dass unsere Kunden gut aussehen und dabei ihrem persönlichen Anspruch an Ethik gerecht werden können.“ Vor allem auf einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen und den sozialverantwortlichen Umgang mit den Menschen legt sie großen Wert. Ohne jedoch die Zahlen aus dem Blick zu verlieren. Etwa 1.500 Euro pro qm setzt sie im Jahr mit fairen Textilien um. Umsatz, der durch Krimi-Lesungen, Modenschauen und Vernissagen in ihrem Geschäft, aber auch durch intelligente Rabattaktionen forciert wird. Ihr persönliches Motto lautet: „Ohne Fair geht gar nichts mehr!“

Sieger: Sabine Hofius Design GmbH

Olpe 19, 44135 Dortmund

Das Textilgeschäft von Lena Dümer und Sabine Hofius-Dümer befindet sich im Herzen von Dortmund, in der Nähe der Fußgängerzone und dem Friedensplatz. Hierhin ist die Hofius Design GmbH 2007 umgezogen. Auf 280 qm werden faire und Bio-Textilien verkauft. Alle verarbeiteten Baumwollgarne sind zertifiziert, ebenso die zugekauften Standardstoffe. „Wir verkaufen Mode, die mehr als eine Saison überdauert und immer wieder neu kombinierbar ist“, erklärt Lena Dümer den nachhaltigen Anspruch des Unternehmens. Doch bei Hofius wird nicht nur verkauft, sondern auch entworfen. Es geht vor allem darum, Kleidung von überdurchschnittlicher Qualität für die modisch-individuelle Frau von 25 bis 80 Jahren anzubieten. „Unser Ziel ist die Langlebigkeit und die Wertigkeit unserer Ware“, fasst sie ihre Philosophie zusammen. Faires Denken beginnt dabei beim Rohstoff und endet beim Verkauf. An Rabattschlachten nimmt Hofius nicht teil. Stattdessen überzeugen die Inhaber dur ch Service und Qualität.

Sonderpreis

Blumenstudio Evels

Königswall 13, 44137 Dortmund

Auch in diesem Jahr hat sich die Fair-Handelspeis-Jury entschlossen, einen Sonderpreis außerhalb der drei Kategorien zu vergeben. Das Blumenstudio Evels in Dortmund macht sich seit mehreren Jahren mit den unterschiedlichsten Aktionen für den Fairen Handel stark. Ob ein Schulprojekt in Sambia, die Aktion „ Lust auf blühendes Leben“ am Europa-Brunnen in Dortmund mit Frauen aus Tansania oder der Teilnahme an Podiumsdiskussionen beispielsweise zum Thema „Schmutzige Schokolade“: Das faire Engagement von Agnes und Leo Evels ist vielfältig. Ohne jedoch die wirtschaftlichen Aspekte ihres kleinen Geschäftes aus den Augen zu verlieren. So konnte auf einer relativ kleinen Fläche von 4 qm (insgesamt 48 qm) mit fairen Schnittblumen 7.250 Euro pro qm erzielt werden. Das ist am Gesamtumsatz ein Anteil von 9 Prozent.

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