Alle Informationen für den Handel

Umwelt & Ressourcen

Fair schenken

Zu den großen Drei in der Fair-Trade-Banche gehört Contigo. Bekannt ist derBetreiber von Weltläden vor allem an seinen demnächst fünfzehn Standorten.

Die nächste Eröffnung wird in Erfurt stattfinden. Ralph Wüstefeld, einer der beiden Geschäftsführer und Gesellschafter der Contigo Gruppe, zeigt sich überzeugt, dass noch in diesem Jahr der fünfzehnte Weltladen des Fairtrade-Unternehmens dort seine Türen öffnen wird. Verhandlungen über eine geeignete Verkaufsfläche laufen, sagt Wüstefeld. Die thüringische Landeshauptstadt ist ein typischer Standort für einen Contigo-Laden. Die Läden befinden sich vor allem in mittelgroßen Städten überall in der Republik. Bonn wäre ein weiterer möglicher Standort. Wüstefeld ist optimistisch, in der ehemaligen Bundeshauptstadt auch bald mit Contigo präsent zu sein.

In Paderborn wurde im Mai ein Weltladen der Gruppe eröffnet. Geht alles nach Plan, werden in diesem Jahr drei neue Standorte umgesetzt. „Auch für die kommenden Jahre habe wir uns entsprechende Ziele gesetzt“, sagt der Geschäftsführer: „Drei Neueröffnungen sind eine realistische Zahl.“ Insgesamt sei das Potenzial in Deutschland groß. Etwa 80 Städte kämen für einen Contigo-Laden in Frage, meint Wüstefeld: „Ein Etappenziel sind rund 50 in diesen Städten.“

Gegründet wurde das Unternehmen 1997 in Göttingen. Auch heute noch befindet sich der Firmensitz einschließlich Zentrallager in der südniedersächsischen Stadt. Schon drei Jahre zuvor hatte Ingo Herbst zusammen mit seiner Frau Monika den ersten Contigo-Laden in der Göttinger Innenstadt eröffnet. Bis heute wird er in Eigenregie der Gruppe geführt und übernimmt auch die Funktion eines Ausbildungsladens. Herbst wollte damals zeigen, dass ein Fairtrade-Shop in Deutschland funktionieren kann, wenn er die dafür geeigneten Sortimente führt. Und Herbst hatte Erfolg.

Schon als Geschäftsführer der GEPA, der Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt, dem größten deutschen Fairtrade-Unternehmen, hatte er die Ideen einen neuen Typus des Weltladens zu entwickeln. Nicht mehr das ehrenamtliche Engagement, wie es vielfach heute noch üblich ist, sollte im Mittelpunkt stehen, sondern der professionelle Einkaufsort. Doch damals, in den 90er-Jahren, waren die entscheidenden Gremien innerhalb der GEPA nicht bereit, diesen Schritt mitzugehen. Die Etablierung wirtschaftlich erfolgreicher Weltläden schien zu risikoreich.

Also macht sich Ingo Herbst selbstständig. Von Anfang an bildeten nicht mehr die margenschwachen Food-Produkte den Kern des Sortiments, sondern Handwerks- und Kunsthandwerksprodukte aus Asien Afrika und Südamerika. Das ist auch heute noch so. Das Angebot reicht von Glas und Keramik über Filz- und Lederwaren, Schmuck, Kerzen, Papeterie, Samt und Seide bis zu Ausstattungsstücken fürs Wohnen und das richtige Ambiente. Kaffee, Tee und Schokolade sind die Food-Produkte bei Contigo. Auf diese drei Klassiker des fair gehandelten Sortiments könne Contigo nicht verzichten, sagt Wüstefeld. So verfügen die meisten Standorte auch über eine eigene kleine Kaffeerösterei. „Im Prinzip sind unsere Shops allerdings Geschenkartikelläden“, macht der Geschäftsführer deutlich. Wenn es gut läuft, werden ungefähr 70 Prozent des Umsatzes mit Kunsthandwerksprodukten erzielt. Die übrigen 30 Prozent entfallen auf Food, insbesondere auf Kaffee. Denn viele der Contigo-Läden bieten ihren Kunden auch die Gelegenheit, den Cappuccino oder Espresso gemütlich sitzend im Laden vor Ort zu genießen.

Seit der Gründung des Unternehmens fahren Herbst und seine Frau zweigleisig. So wurde noch 1997 in Bremen eine erste Filiale an den Start geschickt. Ein Jahr später stieg ein selbstständiger Partner ein und eröffnete einen eigenen Laden mit Contigo-Logo in Lübeck. Zurzeit firmieren unter der Flagge des Göttinger Fairtrade-Unternehmens fünf Partnergeschäfte. An zwei weiteren Filialen hält die örtliche Geschäftsleitung je 25 Prozent der Anteile. Die übrigen Läden sind zu 100 Prozent in der Hand der Zentrale. Auf beiden Schienen soll auch künftig die Expansion vorankommen. Wüstefeld will einerseits Filialen eröffnen. Andererseits sucht er weitere Partner, die als Selbstständige ihre eigenen Geschäfte führen.

Finanziert wird diese Expansion nach Angaben der Göttinger ohne die Hilfe von Banken. Das nötige Fremdkapital besorgt sich das Unternehmen über die Contigo Beteiligungsgesellschaft, zum Teil als Stammkapital, zum Teil als stille Beteiligung. Auf diese Weise ermöglichen etwa 270 private Anleger ein weiteres Wachstum des Fairtrade-Händlers. Durchschnittlich sind nach Firmenangaben etwa 4 Mio. Euro im Umlauf.

Damit werden jedoch nicht nur Neugründungen ermöglicht, sondern auch die Warenbeschaffung. Die Übersee-Handelspartner der Göttinger sind vor allem in Südostasien, Südamerika und einige auch in Afrika zu finden. Sie sollen einerseits Zugang zum europäischen Markt erhalten, andererseits auf faire Weise an der Wertschöpfungskette beteiligt werden. Auch deshalb gibt es keinen Zwischenhandel zwischen Göttingen und den Produzenten. Dafür aber einen intensiven Austausch: Informationen und Produktkonzepte über Materialien, Farbkombinationen, Designs und Trends, die in Europa „in“ sind und sich gut verkaufen lassen, sowie über Verarbeitung und Qualitätsrichtlinien gehören dazu. Basis für die Zusammenarbeit ist ein Kodex für den Fairen Handel. In dem Grundsatzvertrag sind alle Regeln enthalten, zu denen beide Partner sich verpflichten.

Die Einhaltung dieser Regeln wird auf Treffen, bei Besuchen oder durch externe Beauftragte nachgehalten, versichert Contigo. Zweimal im Jahr gehen zudem die Trendscouts auf Reisen. Sie pflegen die Beziehungen, berichten aus Europa und überprüfen vor Ort auch die Einhaltung des Kodex. Die Ergebnisse solcher Kontakte werden in Berichten und Bildern dokumentiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Im kommenden Jahr kann das Fairtrade-Handelsunternehmen auf einen zwanzigjährige Geschichte zurückblicken. Als 1994 der erste Contigo-Shop seine Pforten öffnete, begann die Beweisaufnahme, dass ein Weltladen kommerziell funktionieren kann. Dieser Beweis sei jetzt erbracht, meint Ralph Wüstefeld. Der Geschäftsführer, der 2008 ins Unternehmen kam, wird künftig noch mehr Verantwortung übernehmen. Denn Gründer und Gesellschafter Ingo Herbst zieht sich in absehbarer Zeit aus dem operativen Geschäft zurück. Auch ein Zeichen dafür, das Contigo auf sicherer Basis steht und die 24 Mitarbeiter, die vier Auszubildenden und die Beschäftigten in den Filialen optimistisch in die Zukunft schauen können.

 

{tab=Der Contigo-Kodex}
Contigo verpflichtet sich vertraglich zu folgenden Grundsätzen:

  • faire Erzeugerpreise
  • langfristige Handelsbeziehungen
  • zinslose Vorauskasse bei Bestellungen
  • Information und Beratung
  • Transparenz der Handelswege

Die Handelspartner in Übersee verpflichten sich vertraglich zu folgenden Grundsätzen:

  • keine Kinderarbeit, keinen Zwangsarbeit
  • keine Diskriminierung
  • angemessene Lohnzahlung
  • menschenwürdige Arbeitsplätze
  • Transparenz

Die Standorte
Contigo ist zurzeit in 14 deutschen Städten mit einem Weltladen vertreten: Aachen, Bremen, Dresden, Erlangen, Flensburg, Göttingen, Konstanz, Leipzig, Lübeck, Marburg, Oldenburg, Paderborn, Tübingen und Wiesbaden. Die nächste Neueröffnung soll in Erfurt erfolgen.

Lesen Sie weiter


Agenda

Würdigung des fairen Handels

Der Auswahlprozess war nicht einfach, doch am Ende stand ein deutliches Votum: Bei der fünften Verleihung der Fairtrade Awards 2016 vermochte vor allem die Einzelhandelskette Lidl die Jury zu überzeugen. mehr...

Wir freuen uns über Diskussionen und Ihre Kommentare.
Wie in jeder Gemeinschaft ist es notwendig, dass sich alle Teilnehmer an die Netiquette halten. Durch Ihre Kommentare sollen interessante, gewinnbringende Debatten entstehen, an denen sich andere Nutzer gerne beteiligen. Beleidigungen und Schmähreden sind deshalb ebenso tabu wie Diskriminierungen und die unerlaubte Veröffentlichung persönlicher Daten. Bitte verstecken Sie sich auch nicht hinter Pseudonymen, sondern benutzen Sie Klarnamen.

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>