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Solide Hilfe: Bürgschaftsbanken und Beteiligungsgesellschaften unterstützen Handelsunternehmen tatkräftig.

Eine neuartige Sortimentskombination war es, die Dorothée Merz und ihren Bruder Martin Benzing vor nunmehr 19 Jahren faszinierte. Damals eröffneten sie in der Stuttgarter Markthalle ein Geschäft mit Möbeln. Wohnaccessoires sowie Blumen, Pflanzen und Gartenutensilien auf einer Fläche von 500 qm. Sie hatten anscheinend das richtige Näschen: Schon nach einem Monat schrieb die junge Firma schwarze Zahlen. Die Geschwister hatten genau den Geschmack der Stuttgarter getroffen. Und sie expandierten kräftig. Inzwischen beträgt die Verkaufsfläche rund 3.000 qm, eine Mannschaft von bis zu 70 Mitarbeitern steht den Kunden zu Diensten. Dass dafür eine Menge Kapital — eigenes und fremdes — nötig war, steht außer Frage. „Das Engagement der Bürgschaftsbank Baden-Württemberg hat natürlich das kontinuierliche Wachstum unseres Unternehmens unterstützt“, erzählt Firmenchef Benzing.

Das Unternehmen Merz & Benzing ist beileibe kein Einzelfall. Jedes Jahr unterstützen Bürgschaftsbanken rund 7.000 Unternehmen bei der Kredit- oder Beteiligungsfinanzierung. Der Vorteil dieser Institute: Die von ihnen übernommenen Bürgschaften sind vollwertige Sicherheiten für alle Hausbanken. Viele Unternehmer bekommen über diesen Weg überhaupt nur die von ihnen benötigten Kredite zu einem angemessenen Zinssatz. Auf der Grundlage europäischer Beihilferegelungen und der Richtlinien der Institute können einzelne Unternehmen über diesen Weg bis zu 1,25 Mio. Euro absichern. Diese Summe kann bei den einzelnen Banken unterschiedlich hoch ausfallen. Im letzten Jahr lag das übernommene Bürgschafts- und Garantievolumen dieser Spezialbanken (siehe „Wo Unternehmer Unterstützung finden“) bei knapp 1,1 Mrd. Euro. Damit wurden Kredite und Beteiligungen in Höhe von fast 1,6 Mrd. Euro ermöglicht. „Wer über diesen Weg seine Finanzierung absichern will, sollte sich frühzeitig an seinen Ein zelhandelsverband wenden, um mit ihm die notwendigen Formalien zu besprechen“, empfiehlt Daniel Enke, Referent Mittelstandspolitik beim HDE.

Mit der Übernahme von Bürgschaften werden betriebswirtschaftlich sinnvolle und vertretbare Geschäftsvorhaben gefördert. Dazu gehören etwa Existenzgründungen oder — wie im Fall von Unternehmer Benzing — auch Investitionen für Geschäftserweiterungen. Verbürgt werden bis zu 80 Prozent eines Darlehensbetrages. Die Laufzeit einer Bürgschaft kann von mehreren Monaten bis zu 23 Jahren reichen. Im Durchschnitt läuft sie ungefähr sieben Jahre, natürlich in Abhängigkeit zu dem jeweiligen Investitionsvorhaben.

Und ebenso natürlich schaut sich die Bürgschaftsbank die Unternehmer an, deren Kredite sie absichern soll. Sie müssen selbstverständlich über eine ordentliche persönliche, kaufmännische und fachliche Qualifikation verfügen. Die können die Unternehmer etwa dadurch nachweisen, dass sie eine wirtschaftliche Prognose erstellen. Damit müssen sie nachvollziehbar belegen, dass sich das zu fördernde Investment rechnet. Das heißt: Aus dem Geschäftsbetrieb ist neben Zinsen und Tilgung für den gewünschten Kredit auch ein angemessener Lebensunterhalt zu erwirtschaften. Günstige Standortbedingungen und eine erträgliche Wettbewerbssituation sind dafür ein Muss. Denn schließlich haftet die Bürgschaftsbank — und damit Bund und Länder — für Kredite bei der Bank oder Sparkasse, wenn die Firma ihren Schuldendienst nicht mehr leisten kann. Und noch eines ist klar: Der Einzelhandelsunternehmer, der mit der Bürgschaftsbank investieren will, muss auch mit seinem eigenen Kapital ins Obligo gehen. HDE-Mann Enke: „20 Prozent der Investitionssumme sollten es schon sein.“

Einen Schritt weiter als die Bürgschaftsbanken gehen mittelständische Beteiligungsgesellschaften (MBG). Solche MBGen bieten eine sinnvolle Ergänzung zum klassischen Bankkredit. Mit einer Beteiligungsfinanzierung lässt sich statt der Fremdkapitalquote die wirtschaftliche Eigenkapitalquote des Unternehmens erhöhen. Das verbessert die Bilanzrelationen. Gefördert werden Existenzgründer sowie kleine und mittlere Unternehmen. Das Kapital fließt in die Firmen meistens durch eigenkapitalähnliche stille Beteiligungen. Bei dieser Form der Unternehmensfinanzierung beteiligt sich die MBG als Investor (so genannter stiller Gesellschafter) mit einer Vermögenseinlage an dem Handelsgewerbe eines Unternehmers. Als Gegenleistung erhält sie eine Beteiligung am Gewinn der Firma. „Der große Vorteil bei dieser Art der Finanzierung besteht darin, dass die stille Beteiligung für Außenstehende nicht in Erscheinung tritt“, weiß HDE-Experte Enke. Sie bedarf grundsätzlich nicht der Eintragung i n das Handelsregister und wird auch nicht aus der Firmenbezeichnung ersichtlich.

Bei den MBGen kommt ein weiterer Vorteil hinzu: Sie arbeiten nicht renditeorientiert und bieten mittelstandsfreundliche Konditionen. Was für Unternehmer besonders wichtig und interessant ist: Die Geldgeber nehmen keinen Einfluss auf das Tagesgeschäft des Firmenchefs. 2012 stellten die MBGen dem deutschen Mittelstand über 500 neue Beteiligungen in Höhe von mehr als 100 Mio. Euro zur Verfügung. In Frage kommen Beteiligungen, wenn das Unternehmen etwa auf Wachstum setzt und Erweiterungs- oder Ersatzinvestitionen plant. Aber auch Restrukturierungen, Existenzgründungen und die Unternehmensnachfolge werden einfacher, wenn frisches Geld in die Firma kommt. Normalerweise schießt die MBG Beträge zwischen 5.000 Euro bis hin zu 2,5 Mio. Euro zu — je nach Unternehmensgröße, Finanzierungsvorhaben und auch Kapitaldecke des Firmeninhabers.

Diese Vorzüge haben auch Petra Meißner überzeugt. Die Unternehmerin eröffnete im März 2012 einen Nahkauf-Markt der Rewe-Gruppe im Dresdner Gobitz-Center. Sie und ihre 14 Mitarbeiter bieten auf einer Fläche von 1.300 qm neben Lebensmitteln Non-Food-Produkte, einen großzügigen Thekenbereich, eine Backstation und eine integrierte Poststelle an. Um die Eröffnung ihres neuen Marktes finanzieren zu können, wandte sich Petra Meißner über ihre Hausbank an die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Sachsen. Anscheinend hat sie die Finanzierungsexperten mit ihrem Konzept überzeugt. Denn die Gesellschaft hat das Vorhaben mit einem kräftigen Zuschuss unterstützt. Die Unternehmerin: „Damit hatte ich neue Finanzierungsspielräume, die mir eine solide Wachstumsstrategie ermöglichen.“

Informationen

nternehmer finden vielfältige Unterstützung bei den erwähnten Instituten. Bürgschaftsbanken und mittelständische Beteiligungsgesellschaften gibt es in jedem Bundesland. Die wichtigsten Infos, Adressen und Kontaktmöglichkeiten finden Sie im Internet.
http:// www.vdb-info.de/mitglieder

 

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