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Menschen & Management

Lebe Deinen Traum

Das Studium zur Diplomwirtschaftsingenieurin für Holztechnik in Dresden brachte Gabriele Backhaus erste Branchen- und Berufserfahrung ein. „Diese Zeit war hochinteressant und die Ausbildung sehr gut“, erinnert sie sich. Doch ein Umzug mit ihrer Familie von ihrem Arbeitsort Erfurt nach Ulm gab ihrer Karriere einen völlig neuen Impuls. „1991 lernte ich den Media Markt in Neu-Ulm zunächst als Kundin kennen“, sagt Backhaus. „Zufällig las ich zwei Wochen später in einer Zeitungsannonce, dass dort eine Mitarbeiterin für Bürotätigkeiten gesucht wird.“ Sie bewarb sich, bekam den Zuschlag für den Job — und schon zwei Jahre später war sie als Assistentin des Geschäftsführers für die Bereiche Kasse, Kundendienst, Büro und Logistik verantwortlich. „In dieser Zeit reifte in mir die Idee, dass ich den nächsten Schritt wagen möchte“, erinnert sie sich. „Und nach einem sehr positiven Gespräch mit meinem damaligen Vorgesetzten konnte ich vor etwa 13 Jahren in die Einarbeitung zur Geschäftsführerin gehen.“ Dabei besuchte sie für jeweils mehrere Wochen die Standorte in München, Freiburg, Offenburg und Kempten, um unterschiedliche Führungsstile und Strukturen an den einzelnen Standorten zu erleben. Als dann in Ulm ein neuer Standort entstehen sollte, war ihre Zeit gekommen: Sie baute in einem neu gebauten Einkaufszentrum ihren eigenen Media Markt als geschäftsführende Gesellschafterin auf. „Mich begeistert die Technik, die sich ständig wandelt“, sagt Backhaus. „Das fordert uns alle laufend aufs Neue heraus.“?

In Leipzig hat Kristin Winkler die Grundlagen für ihre Karriere gelegt, und inzwischen hat sie ihre Laufbahn durch mehrere Städte auch wieder in ihre Heimatstadt zurückgeführt: Heute ist die studierte Diplomkauffrau Leiterin der Filiale des Schuhhauses Görtz in Leipzig. „Meine Liebe zur Mode war der wichtigste Grund, mich für Görtz zu entscheiden“, sagt sie. „Mir ist wichtig, was ich verkaufe und hier kann ich den Kunden genau die Schuhe und Accessoires anbieten, die mir selbst gefallen.“ Ihr Interesse für den Handel entdeckte sie schon während eines Nebenjobs bei Peek&Cloppenburg, womit sie ihr Studium in Wirtschaftswissenschaften finanzierte. So lag für sie nahe, unmittelbar im Anschluss daran 1995 ein Trainee-Programm bei Görtz zu beginnen.
Bereits 1996 übernahm sie die Leitung eine Filiale in Jena, 1997 wechselte sie nach Lübeck, ein Jahr später nach Hamburg. Dort blieb sie bis 2001, um schließlich eine große Metropolen-Dependance in Bochum zu übernehmen. „Das Wechseln von Stadt zu Stadt habe ich immer gewollt“, sagt Winkler. „Ich wollte die eigenen Mentalitäten der verschiedenen Regionen kennenlernen. Das ist ja auch das Interessante an meinem Beruf: der Umgang mit den unterschiedlichsten Menschen und Charakteren. Mitarbeiter individuell zu führen und zu motivieren, macht mir dabei großen Spaß“, sagt die Managerin. Seit 2003 ist sie jetzt in der sächsischen Metropole Leiterin der Filiale und Chefin von 40 Mitarbeitern.


Schon im Alter von 14 Jahren war für Marco Schmitt klar, dass er später einmal im Handel arbeiten wollte. „Nach der Schule half ich regelmäßig im Edeka-Geschäft des Freundes meiner Schwester mit. Das war wie ein zweites Zuhause für mich, wo ich zusätzlich auch noch viel lernte“, sagt er. „So hatte ich bereits als Jugendlicher ein klares Ziel vor Augen. Mir gefielen die Freiheiten als Selbstständiger, aber auch die Verantwortung für die Geschäfte.“ Zunächst ließ er sich daher am Bildungszentrum Neuwied zum staatlich geprüften Handelsbetriebswirt ausbilden. Nach Stationen in mehreren Märkten vor allem im Süden Deutschlands, erfüllte er sich im Januar 1998 mit 21 Jahren seinen Traum von der Selbstständigkeit mit seinem ersten eigenen Markt bei Erlangen.
Vor allem der Umgang mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln und gutem Essen entwickelte sich für Schmitt kontinuierlich zu einer Leidenschaft, die er bis heute ständig weiter verfeinert. „Mein großes Anliegen ist, den Kunden ein immer breiteres Sortiment aus nachhaltig und möglichst regional erzeugten Bio-Produkten anzubieten. Dafür lasse ich meine Mitarbeiter auch schulen, damit sie die Käufer bei ihrer Wahl gut beraten können.“ Sein nächstes Ziel: „Für die Zukunft will ich eine Kooperation mit dem Demeter-Verbund aufbauen.“

Wie gut sich Tradition und Moderne verbinden lassen, zeigt die Karriere von Holger Wellner besonders deutlich. 1928 gegründet, ist das gleichnamige Modehaus in Hameln bereits in der vierten Generation in der Hand seiner Familie. Seit Anfang 2012 ist Wellner nun alleiniger Geschäftsführer, sein Vater ist als Berater aber weiterhin an Bord. „Besonders schön ist dabei zu sehen, wie sich das Unternehmen kontinuierlich über die Jahrzehnte entwickelt hat und gewachsen ist“, sagt Wellner. Schon während seiner praxisnahen Lehrzeit leitete er eine eigene Abteilung bei einem großen Modefachgeschäft in Bonn, wo er im Anschluss daran noch über ein Jahr lang arbeitete. „Nach dieser Zeit bin ich nur mit einem Koffer unter dem Arm auch einmal für drei Monate zum Praktikum nach Paris, wo ich wertvolle Einblicke in den Vertrieb der Industrie gewinnen konnte“, sagt der 38-Jährige. Im Herbst 1999 stieg er dann endgültig ins Unternehmen seiner Eltern ein. „Stück für Stück bekam ich mehr Verantwortung, bis ich schließlich in die Leitung eintrat“, s agt er. Neben dem 3.000 qm großen Stammhaus im Zentrum von Hameln gehören heute auch sechs Franchise-Stores dazu, vier davon in Berlin. Seit April 2012 ist noch eine dritte Säule hinzugekommen. „Wir haben einen Onlineshop eröffnet, der speziell als gemeinsame Plattform für regionale Modehäuser gedacht ist“, sagt Wellner. Aber auch die stationäre Expansion geht weiter: Demnächst soll noch eine weitere Filiale in Leipzig eröffnet werden.


Als Schreinerlehrling fing er an — heute steht er als Unternehmensgründer an der Spitze von Polster Aktuell mit sieben Filialen in ganz Deutschland: Stephan Müller hat seine Philosophie, dass Möbel mehr sind als nur nützliche Gegenstände in der Wohnung, über Jahre hinweg konsequent zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell entwickelt. „Das Gestalten und Formen von ästhetisch Anspruchsvollem über die Funktionalität hinaus hat mich schon früh fasziniert“, sagt Müller. 1981 begann er zunächst eine Ausbildung zum Schreiner, arbeitete zwei Jahre in seinem Beruf. Doch er wollte mehr aus seinem Beruf machen und bewarb sich an der Fachschule des Möbelhandels (Möfa) in Köln. „ In diesem Schmelztiegel genoss ich vor allem den Austausch mit den verschiedensten Persönlichkeiten, die ähnliche Ziele hatten.“
Danach stieg er 1989 als Assistent der Geschäftsführung bei Möbel Walther ein. 2006 machte er sich schließlich selbstständig, beteiligte sich mit einem Partner bei Polster Aktuell. Pro Jahr öffnete er bislang eine neue Filiale – im Juli kommt jetzt in Essen die achte hinzu. „Beruflicher Erfolg ist ein Mix aus Arbeit und Chancen, aber auch Glück und Zufall“, sagt der 47-Jährige. Mehrfach mit Preisen ausgezeichnet, setzt Müller ganz auf individuelles und ausführliches Beraten seiner Kunden.?

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