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Flüssig bleiben

Wandel ist im Handel praktisch alles. Wer stehen bleibt, fällt zurück. Viele Einzelhändler tun daher eine Menge, um die Kunden zu halten und neue hinzuzugewinnen. Sie investieren in Kundenbindung und die Ausstattung ihrer Geschäfte. „Viele Händler versuchen über größere Geschäfte und breitere Sortimente an immer besseren Standorten mehr Kunden zu erreichen“, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth Ende März auf der Frühjahrs-Pressekonferenz des Verbandes. Klar, dass solche Investitionen Geld kosten. Die Summen, die da manchmal notwendig werden, können vor allem von mittelständischen Betrieben nicht komplett aus dem Eigenkapital bestritten werden. Im Moment ist das noch nicht so problematisch. Banken und Sparkassen versorgen ertrags- und eigenkapitalstarke Handelsunternehmen mit Krediten. Der Anteil der Unternehmen, die aktuell leichter Zugang zu Krediten erhalten, hat sich in letzter Zeit praktisch verdoppelt. Das hat eine Befragung des HDE er geben. Im Gegenzug hat sich der Anteil der Problemfälle etwas vermindert. Ein etwas anderes Bild ergibt sich, wenn man sich die kleineren Einzelhandelsbetriebe ansieht. Da hat nach wie vor mehr als jeder zweite Unternehmer Schwierigkeiten, ausreichend Kredite zu akzeptablen Konditionen zu bekommen. Die Unternehmen mit mehr als 1 Mio. Euro Umsatz — das sind 12 Prozent aller Geschäfte — melden allerdings Entwarnung auf der Kreditfront. Das gleiche Ergebnis zeigt die vom ifo-Institut gemessene „Kredithürde“. Nur knapp 24 Prozent der befragten Unternehmen beklagen Schwierigkeiten, einen Kredit zu bekommen. „Doch das grundsätzlich positive Bild könnte sich schon ab dem nächsten Jahr deutlich zum Schlechten verändern“, befürchtet HDE-Finanzierungsexpertin Katrin Andrae. Hintergrund sind neue Eigenkapitalvorschriften für die Kreditinstitute selbst. Sie müssen künftig für ihre ausgegebenen Kredite mehr Eigenkapital unterlegen („Basel III“). Das könnte einige Banken treffen, die es mit de r Risikovorsorge bisher noch nicht so genau genommen haben.

Weitere Risiken bergen die immer noch angespannten Kapitalmärkte. Die westlichen Industrienationen sind auch in den nächsten Jahren auf eine Neuverschuldung angewiesen. Hinzu kommen die Anleihen-Emissionen des Euro-Rettungsfonds. Diese und andere Faktoren dürften nach einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung, „Basel III und Mittelstandsfinanzierung“, dazu führen, dass insbesondere die auf Bankkredite angewiesenen Klein- und Mittelbetriebe eine Verschlechterung ihrer Finanzierungssituation hinnehmen müssen. Für die Autoren der Studie ist klar: „Aus Gründen diversifizierter Finanzierungsquellen ist ein weiterer Ausbau des Kapitalmarktzugangs für mittelständische Unternehmen wünschenswert.“


Nun wird nicht jeder Einzelhändler gleich seine Firma in eine GmbH oder eine Aktiengesellschaft umwandeln wollen, um sich Kapitalgeber als Teilhaber an Bord zu holen. Es gibt andere Möglichkeiten, die die Unternehmer der Branche bislang eher links liegen gelassen haben. Eines sollte dabei klar sein: Eine ausreichende Bonität ist fast immer unabdingbar. Ausnahmen gibt es in seltenen Fällen bei einer Finanzierung durch Leasing. Das funktioniert häufig auch dann noch, wenn es in der Firma kriselt. Bei gängigeren Investitionsgütern, etwa Pkw oder Computern, fällt die strenge Bonitätsprüfung schon einmal aus. So oder so — Leasing bietet sich als Finanzierungsalternative an. Was die Firma least, bleibt in der Regel im Eigentum des Leasinggebers. Und zwar nicht nur zivilrechtlich, sondern auch wirtschaftlich. Das hat die angenehme Folge, dass etwa beim Leasen eines Warenwirtschaftssystems dieses nicht in der Bilanz eines Einzelhändlers erscheint. Weder als Akt ivposten im Anlagevermögen noch als Passivposten bei den Schulden. Die Leasingrate erscheint nur in der Ergebnisrechnung und ist als Betriebsausgabe steuerlich absetzbar. „Leasing erweitert die Investitionsspielräume bei verlässlichen Kalkulationsgrundlagen, wirkt positiv auf Bilanzstruktur und Rating, bietet Flexibilität durch individuelle Vertragsgestaltungen und ermöglicht das Outsourcing kompletter Investitionsprozesse“, erläutert Horst Fittler vom Bundesverband Deutscher Leasinggesellschaften.

Die Leasingbranche ist Deutschlands größter Investor und generiert ein jährliches Investitionsvolumen von zuletzt 48,54 Mrd. Euro. Insbesondere für mittelständische Unternehmen ist Leasing mittlerweile nicht mehr aus dem Wirtschaftsalltag wegzudenken. Marktstudien zeigen, dass über 70 Prozent der Finanzentscheider in Unternehmen Leasing zur Realisierung ihrer Investitionspläne in Betracht ziehen. Bislang vom Einzelhandel eher links liegen gelassen, aber dennoch nicht uninteressant sind so genannte Mezzanine-Finanzierungen. Sie sind in der Regel erst ab einem Volumen von einer halben Mio. Euro möglich, also höchstens für größere Betriebe machbar. Der Begriff ist abgeleitet von dem italienischen Begriff mezzanino. Das ist in der Architektur ein Zwischengeschoss. Ein Zwischending ist auch das Mezzanine-Kapital — eine Mischung aus Eigen- und Fremdkapital. Wirtschaftlich gesehen stellt das Geld Eigenkapital dar, steuerlich eher Fremdkapital. Ca. 80 Finanzie rungsgesellschaften — oft Tochtergesellschaften der Groß- und Landesbanken oder auch Private-Equity-Gesellschaften — bieten Unternehmen eine solche Finanzierungsform an. Mal handelt es sich um Stille Beteiligungen — typisch oder atypisch —, mal um Genussrechte, Nachrangdarlehen oder auch um Options- und Wandelanleihen. Unabhängig davon bekommt der Kapitalgeber kein Stimmrecht im Unternehmen. Der Firmenchef bleibt Herr im Haus, muss dafür aber meist eine im Vergleich zur Bank höhere Verzinsung bieten. „Im Moment ist Mezzanine-Kapital kein Thema“, sagt Handelsexpertin Andrae. Eine erste Blüte gab es, als vor allem größere Banken im Rahmen schärferer Eigenkapitalvorschriften nach Basel II vielen Mittelständlern den Kapitalzufluss abgeschnitten hatten. Ob sich die Geschichte mit Basel III wiederholt, bleibt abzuwarten.


Was sich auf jeden Fall für mittelständische Unternehmer lohnt: Sich bei anstehenden Investitionen über die Konditionen der KfW-Bank zu informieren. Der Unternehmerkredit bietet zwei verschiedene Programmteile. Teil A ist eine reine Fremdkapitalfinanzierung, die banküblich abzusichern ist. Hier können nicht nur reine Investitionen wie Warenwirtschaft, Kühltheken oder Regale finanziert werden, sondern auch die Kosten von einmaligen externen Beratungsleistungen. Selbst laufende Kosten wie Mieten, Löhne oder andere Betriebsmittel sind über dieses Programm mittelfristig finanzierbar. Die Zinssätze werden von der KfW kundenindividuell und über maximal zehn Jahre Laufzeit festgelegt. Der Programmteil B des KfW-Unternehmerkredits ist der Finanzierung von Investitionen kleiner und mittlerer Betriebe vorbehalten. Gefördert werden damit laut Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie Investments, die einen langfristigen wirtschaftlichen Erfolg erwarten lassen und mit denen Arbeitsp lätze geschaffen oder gesichert werden.?

{tab=Kredite online finanzieren}

Ein fränkischer Einzelhändler hat einen außergewöhnlichen Weg gefunden, die Erweiterung seines Geschäfts zu finanzieren. Statt bei seiner Bank vorzusprechen, hat sich der Chef eines Büromöbelhandels das Geld mittels eines neuen Kanals, nämlich über die Onlineplattform Smava besorgt. „Smava war günstiger und unbürokratischer als unsere Hausbank“, freut sich der Unternehmer.

Smava funktioniert so: Konsumenten und Selbstständige können ihren Kreditwunsch zwischen 1.000 und 50.000 Euro online auf smava.de einstellen. Nach Einsendung der Unterlagen und Prüfung durch Smava wird das Kreditprojekt dann direkt von privaten Anlegern finanziert. Da Smava sich um die gesamte Abwicklung kümmert, gibt es keinen direkten Kontakt zwischen dem Kreditnehmer und den Anlegern. Private Anleger können zwischen 250 und 100.000 Euro investieren.

Zusätzlich zu klassischen Informationen wie dem Rendite- und Risikoprofil eines Kreditnehmers erhalten Anleger auch Informationen zum Projektzweck. Seit dem Start 2007 haben mehr als 15.000 Anleger ein Kreditvolumen von rund 50 Mio. Euro für über 6.000 Kreditnehmer zur Verfügung gestellt.

? www.smava.de

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