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Herr Kaiser weiß Rat

Unternehmer müssen ihren Betrieb gegen folgenschwere Ereignisse wappnen — mit den richtigen Versicherungen.  Sonst ist die wirtschaftliche Existenz bedroht.

Das war, gelinde gesagt, ein Schock für einen Düsseldorfer Schuh-Fachhändler. Wegen eines Defektes in der Stromleitung hatte es einen Brand in seinem Geschäft gegeben, der sich rasch auf die Einrichtung und die Waren ausbreitete. Feuer, Rauch und Löschwasser hatten letztendlich den gesamten Warenbestand in Geschäft und Lager in Mitleidenschaft gezogen. Mehrere Wochen lang musste das Schuhhaus schließen. Ein Teil der Ware konnte zwar noch als Sonderposten in anderen Filialen verkauft werden. Aber ein hoher Verlust blieb. Hinzu kamen die Kosten für die beschäftigungslosen Mitarbeiter, Miete, Leasingraten und andere fixe Aufwendungen. „Da es schnell klar war, dass es sich um eine unkritische Brandursache handelte, haben wir dem Fachhändler nach umfassender Prüfung seinen Schaden ersetzt”, erzählt Bernd Kämpchen, Sachversicherungsexperte der Signal Iduna in Dortmund. Zur großen Erleichterung des Händlers.

Der rheinische Unternehmer hatte Glück im Unglück. Er hatte sich ausreichend versichert. Das ist beileibe nicht immer so. Recht häufig ist die vereinbarte Versicherungssumme kleiner als der Versicherungswert des abgesicherten Risikos. Das betrifft nicht nur die Betriebsunterbrechung etwa wegen eines Brandschadens, einer Überschwemmung, eines Wasserschadens, eines Einbruchs oder eines Sturms. Sondern auch andere Versicherungen wie Gebäude- oder Sachversicherungen. Die Unterdeckung hat zur Folge, dass im Schadensfall die Entschädigung der Versicherung nur anteilig berechnet wird. „Wer also bei einer Betriebsinhaltsversicherung nur die Hälfte seiner Ladeneinrichtung versichert hat, bekommt bei jedem Schaden auch nur 50 Prozent erstattet”, erläutert Versicherungsmann Kämpchen.

Egal, wie hoch die absolute Versicherungssumme auch ist. Das kann in Einzelfällen durchaus eine Gefahr für die Existenz sein. Zumindest sind der Frust und der finanzielle Aufwand groß, wenn sich die Versicherung weigert, den kompletten Schaden zu übernehmen. Deshalb sollten verantwortungsbewusste Unternehmer nicht darauf bauen, dass schon nichts passiert. Besser ist es, regelmäßig die Versicherungssummen für die betrieblichen Policen zu überprüfen. Denn das Risiko wächst schleichend. Zu dem Zeitpunkt, zu dem eine Versicherungspolice abgeschlossen wird, ist meist alles im grünen Bereich. Doch gerade wenn das Geschäft im Laufe der Jahre expandiert, mehr oder teurere Ware im Laden ist, die Geschäftsausstattung hochwertiger modernisiert wurde, die Warenwirtschaft auf den neuesten Stand gebracht wurde, mangelt es schon mal an der rechtzeitigen Anpassung der Versicherungssummen. Signal-Iduna-Experte Kämpchen: „Das geschieht oft nicht automatisch. Umso wichtiger ist es, die Versicherungssumme von Zeit zu Zeit zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen.”

Im Schadensfall kann es zumindest etwas helfen, wenn der Unternehmer mit seiner Assekuranz eine so genannte Nachhaftungsklausel vereinbart hat. Bei einer solchen Klausel leistet der Versicherer auch dann, wenn der Schaden über der Versicherungssumme liegt. Freilich nicht unbegrenzt. Die Höhe der Nachhaftung beträgt in der Regel 20 bis 30 Prozent. Die Vereinbarung der Nachhaftung erfordert aber eine jährliche Endabrechnung entsprechend dem gemeldeten Versicherungswert. Die Prämie wird dabei zunächst auf Basis der Versicherungssumme ohne Nachhaftung erhoben und dann nachträglich angepasst. Wer eine solche Klausel nicht hat oder wer kräftig in sein Geschäft investiert hat, sollte gedanklich vom „worst case” ausgehen und die Versicherungssummen anpassen. Also was passiert, wenn das Geschäft durch Feuer, Wasser, Erdbeben, Überschwemmung oder ein anderes Schadensereignis komplett vernichtet wird. Was ist in einem solchen Fall alles wieder zu beschaffen?


Befindet sich das Einzelhandelsgebäude im Eigentum des Unternehmers oder seiner Familie, ist zuerst einmal dieses zu sichern. Und zwar so, dass es im schlimmsten Fall komplett wieder aufgebaut wird — ohne dass es den Firmenchef auch nur einen Cent kostet. „Das ist zum Beispiel durch eine ausreichende Versicherungssumme und eine gleitende Neuwertversicherung möglich”, unterstreicht Guido Stier, Leiter Sachversicherung Industrie- und Firmenkunden bei der Kölner AXA-Versicherung. Damit sind auch die im Laufe der Jahre steigenden Baukosten kein Problem mehr. Daneben sind aber auch zunehmend höhere „Nebenschäden” abzusichern. Etwa die Kosten einer Entseuchung, wenn bei einem Brand giftige Substanzen ins Erdreich oder ins Trinkwasser gelangen. Oder die Kosten für die teure Entsorgung von Sondermüll, der durch ein Schadensereignis angefallen ist.

Ein weiteres Großrisiko betrifft den Inhalt des Gebäudes. Also die Ladeneinrichtung, Kassen, EDV, Waren, Lagerregale oder etwa die Einrichtung des Chef-Büros. Wenn diese Teile bei einem Schadensereignis unbrauchbar werden, müssen sie so bald wie möglich neu beschafft werden. Und das kostet. Deshalb steht bei der Gebäudeinhaltsversicherung die Wiederbeschaffung von Geschäftsausstattung und Waren im Vordergrund. Damit der Laden möglichst rasch wieder den Betrieb aufnehmen kann. Auch hier sind — wie bei der Gebäudeversicherung — die Risiken Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel oder Elementarschäden abzusichern. Hinzu kommt beim Ladeninhalt der Einbruchdiebstahl. Wer den Laden und die Waren abgesichert hat, sollte nicht zuletzt daran denken, was es kosten würde, wenn der Laden wegen eines Schadens eine längere Zeit geschlossen werden muss. In einem solchen Fall laufen die Kosten weiter.

Denn Löhne und Gehälter, Mieten oder Leasingraten und Versicherungsbeiträge müssen unabhängig von dem Schaden pünktlich beglichen werden. Und das oft nicht nur für ein paar Tage oder Wochen. Die Mitarbeiter müssen mindestens so lange bezahlt werden, bis die Kündigungsfristen auslaufen. Gleiches gilt für das gemietete Ladenlokal. Und wer nach dem Schaden weiter machen will, muss seine Verträge auch über die Kündigungsfristen hinaus erfüllen. Das Problem: Sanierungen nach einem Brand oder Wasserschaden können manchmal Monate in Anspruch nehmen. Diese Zeit muss überbrückt werden.

Das Stillstandsrisiko durch Sachschäden übernimmt eine Betriebsunterbrechungsversicherung (BU-Versicherung). Sie zahlt Miete, Gehälter, Pacht, Zinsen und auch den Firmengewinn, der in der Schadenszeit anfallen würde. Man unterscheidet drei Formen der BU-Versicherung. Die so genannte Klein-BU bis maximal eine Million Euro Versicherungssumme kann immer nur zusammen mit einer Gebäudeinhaltsversicherung abgeschlossen werden. Die vereinbarten Deckungssummen sind dabei identisch. Bei einer solchen Police ist zu bedenken, dass sie schon bei mittleren Handelsunternehmen zu knapp bemessen sein kann. Der Einfachheit des Vertrages steht daher das Risiko gegenüber, im Schadensfall nicht ausreichend versichert zu sein. Guido Stier: „Mit der Konsequenz, dass bei mittleren und größeren Schäden die mit der Sachversicherungssumme identische BU-Versicherungssumme zu gering bemessen wurde und daher nur ein Bruchteil des BU-Schadens reguliert wird.”


Die richtige Versicherungssumme ergibt sich, wenn alle fixen Kosten des Betriebes einschließlich des Gewinnes für ein Jahr abgedeckt sind. Wer vor der Jahresfrist zurückschreckt und lieber eine kürzere Ausfallzeit absichern möchte, sollte bedenken, dass Sanierungen oder gar der Neubau nach einem Brandschaden oft viele Monate in Anspruch nehmen.Wer nach dieser Rechnung mit der Klein-BU nicht auskommt, sollte sich von seinem Versicherer ein Angebot für eine separate Betriebsunterbrechungsversicherung unterbreiten lassen. Eine mittlere BU steht in der Regel für eine Versicherungssumme von bis zu 2,5 Mio. Euro. Damit werden auch die zusätzlichen Kosten abgedeckt, die etwa durch die Einlagerung unbeschädigter Ware oder die Anmietung von Ausgleichquartieren entstehen können.

Auch Gutachterkosten zahlt die Versicherung im Rahmen einer vereinbarten Höhe. Ebenso die Kosten, die sich durch behördliche Auflagen während der Wiederaufbauphase ergeben. Noch höhere Risiken sind der Groß-BU vorbehalten. Experte Stier: „Ein ausreichender Versicherungsvertrag ist unabdingbar für die wirtschaftliche Existenzsicherung.” Betriebshaftpflichtversicherung: Das ist die vierte unbedingt notwendige Versicherung für Unternehmer. Sie schützt den Firmenchef und seine Mitarbeiter vor Ansprüchen Dritter. Und die können erheblich sein. Die Risiken sind praktisch nicht kalkulierbar. Ohne Versicherung haftet der Firmenchef mit seinem gesamten Vermögen, wenn etwa ein Mitarbeiter aus Unachtsamkeit ein Kind im Laden so schwer verletzt, dass es ein Leben lang gepflegt werden muss.

Per Gesetz sind Personen und Unternehmen nämlich verpflichtet, einen schuldhaft — das heißt vorsätzlich oder fahrlässig — zugefügten Schaden wieder gutzumachen, und zwar in unbegrenzter Höhe. Die betriebliche Haftpflichtversicherung deckt alle Schäden, die der Firmenchef selbst und seine Mitarbeiter bei der Ausübung ihrer betrieblichen Tätigkeit verursachen. Ebenso die Schäden, die durch die betrieblichen Gebäude oder Grundstücke entstehen. Wie hoch der Versicherungsschutz sein muss, welche speziellen Risiken abzudecken sind, muss der Firmenchef mit seinem Versicherungsvertreter oder -makler genau austarieren. Eine Haftpflicht-Police schützt auch den Unternehmer davor, dass geschädigte Kunden oder Lieferanten unbegründete Forderungen stellen. Denn die Versicherung prüft den Anspruch sehr genau. Insofern ist die Haftpflichtversicherung auch gleichzeitig eine kleine Rechtsschutzversicherung. Die Kosten dafür trägt die Versicherung unabhängig davon, ob möglicherweise eine Unterversicherung besteht oder nicht.

{tab=Zitat}
„Versicherung ab und zu überprüfen.”
Bernd Kämpchen, Signal Iduna

„Existenz wirtschaftlich absichern.”
Guido Stier, AXA
{/tabs}
{tab=Im Krankheitsfalle: Wenn der Chef kürzer treten muss}
Unternehmer sind in der Regel privat für Krankheitsfälle versichert. Damit haben sie meist die optimale Versorgung. Freilich nur bis zum Ende der Therapie. Was ist aber, wenn der Firmenchef nach der Krankheit einige Zeit nicht mehr seine volle Leistungsfähigkeit erreicht? Etwa nach einem Herzinfarkt, eine Bypass-Operation oder einer Krebsoperation? Wer sich für solche und andere Fälle absichern will, für den bietet sich eine so genannte Dread-Disease-Versicherung an. Die hat den Vorteil, dass sie die vereinbarte Versicherungssumme auf einen Schlag auszahlt. Und zwar sobald die versicherte Krankheit feststeht.

Nachteilig ist, dass die Versicherung viele Krankheiten nicht berücksichtigt. Dazu zählen etwa Rückenschmerzen oder psychische Erkrankungen. Und der zweite Nachteil ist, dass die Policen relativ teuer sind. Ein 45-jähriger Unternehmer, der etwa 30 schwere Erkrankungen abdecken will, muss mit etwa 450 bis 500 Euro rechnen — monatlich.

Anbieter: Skandia, Kaiserin-Augusta-Allee 108, 10553 Berlin; Canada Life Assurance Europe Limited, Postfach 1763, 63237 Neu-Isenburg; Gothaer Allgemeine Versicherung AG, Gothaer Allee 1, 50969 Köln.
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