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Im „Haus der guten Taten” wird Handarbeit aus fairer und sozialer Produktion verkauft. Ein Pilotprojekt.

Die dumpfen Trommelgeräusche einer Djembé locken die Besucher in die erste Etage der Einkaufsmall Forum Steglitz in der Berliner Schloßstraße. Exotische Klänge, die im bürgerlichen Steglitz eher selten zu hören sind. Ein kleiner Trick, zu dem Christoph von Mohl, Geschäftsführer von COEO — Haus der guten Taten, gegriffen hat, um auf die Eröffnung eines neuen Ladenkonzeptes aufmerksam zu machen. „COEO ist ein Pilotprojekt, das auf einem werteorientierten Ansatz basiert und Corporate Social Responsibility zum Geschäftsprinzip erhebt”, bringt von Mohl die Besonderheit des Shops auf den Punkt. So wurde nicht nur die Djembé in einem Fairtrade-Projekt in Westafrika hergestellt. Im Haus der guten Taten werden hochwertiger Silberschmuck, außergewöhnliche Möbelstücke, Deko-Artikel, Lebensmittel u. a. Artikel verkauft, die in fairen Projekten der Dritten Welt in Handarbeit hergestellt werden.

„Damit wollen wir vor allem kleinfamiliäre Strukturen unterstützen und den Menschen in Entwicklungsländern die Möglichkeit geben, ihre Grundbedürfnisse aus eigener Kraft zu befriedigen”, differenziert von Mohl. Aber faire Handarbeit und Food, die im Bereich „Fair ist gut” platziert werden, sind nur ein Segment des 500 qm großen Ladens. Ein weiterer Schwerpunkt sind Produkte aus Werkstätten für Menschen mit Behinderungen der Bethel-Betriebe/pro Werk, die in der Rubrik „Gut gemacht” des Shops hervorgehoben werden. In der Ecke „Gute Lektüre” werden Bücher zu Lebensfragen, Spiritualität und christliche Literatur angeboten. Artikel, „die es nicht überall zu kaufen gibt” ergänzen das Angebot. Die Verkaufserlöse dieser Produkte werden für weltweit ausgewählte und soziale Projekte zur Verfügung gestellt und sind deshalb mit einem grünen Punkt gekennzeichnet. Im Café „In guter Gemeinschaft” werden Getränke, Kuchen sowie kleine Mahlzeiten angeboten und es gibt Sitzgelegenheiten. Auch hier sind die gastronomischen Produkte aus fairen und sozialen Projekten sowie von Ökobauernhöfen. Jeder Bereich ist in einer anderen Farbe gestaltet und wird durch Design und architektonisches Konzept des Ladens unterstützt.

Das Sortiment im Haus der guten Taten besteht aus insgesamt 4.000 Artikeln und soll jährlich um etwa 30 Prozent ergänzt werden. Diese Neuheiten wollen die Geschäftsführer auf internationalen Messen finden. Zurzeit reicht das Sortiment von Haushalts- und Spielwaren über Mobiliar und Dekorationsartikel bis hin zu Kosmetik- und Hygieneartikeln, Schmuck und Accessoires, Papeterie und Büchern sowie Genuss- und Lebensmitteln wie Kaffee, Tee, Marmelade oder Schokolade. Bei der Auswahl der Produkte ist nicht der günstigste Einkaufspreis für die Listung entscheidend, sondern die Frage, wer oder was durch die Produktion der Artikel gefördert wird. „Aber natürlich wollen wir keine überteuerten Produkte auf der Mitleidsschiene verkaufen”, sagt Initiator Wilfried Franz. Sein Ehrgeiz ist es jedoch, mit dem Konzept die Produktvielfalt im deutschen Einzelhandel wiederzubeleben.

Auch personell ist das Konzept stringent. So arbeiten bei COEO zurzeit sechs ehemalige Arbeitslose, die wieder zurück in den ersten Arbeitsmarkt finden sollen, sowie eine Frau mit Behinderung. „Vor allem Menschen mit Behinderung wollen wir die Möglichkeit geben, in den ersten Arbeitsmarkt integriert zu werden. Das gilt besonders für Schulabgänger, die Schwierigkeiten haben, einen Ausbildungsplatz zu finden”, sagt von Mohl. Doch bei allem Altruismus: Natürlich sollen mit dem Haus der guten Taten Gewinne erzielt werden. „Um die Kosten zu decken, müssen wir im ersten Jahr 0,5 Mio. Euro umsetzen”, bestätigt von Mohl. Ansonsten gibt es jedoch bei der Gewinnverwendung einen großen Unterschied zu anderen Einzelhandelskonzepten. „Es soll nicht für den eigenen Nutzen gewirtschaftet, sondern die Erlöse sollen für ausgewählte soziale Projekte weltweit eingesetzt werden”, erläutert Franz seine Vorstellung von Corporate Social Responsibility. Aber das Geld soll auch der Weiterentwicklung der Geschäftsidee dienen, denn mittelfristig soll das Konzept an ausgewählten Standorten vervielfacht werden. (sb)

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„Kein Verkauf aus Mitleid.”
Christoph v. Mohl, COEO

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Alles gut: Das Berliner „Haus der guten Taten” setzt in jeder Hinsicht auf soziale Ausgewogenheit.

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